Leserbriefe – Funke Nr. 244


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Nachdem das Angebot der Chemie-Unternehmer nach der vierten Verhandlungsrunde immer noch bei 0% (+250€ Einmalzahlung) lag, organisierten die Gewerkschaften PROGE und GPA eine Kundgebung am 8. Mai. Vor Ort wurde mit Pfeifen, Tröten und Musikbegleitung „Wir sind sauer“ gegen die Wirtschaftskammer geschrien. Zwei Busse kamen auch aus Oberösterreich (Chemiepark) und zur Stärkung wurden Leberkässemmel und Mozartkugeln verteilt.
Insgesamt waren etwa 300 Personen – 250 Betriebsräte sowie knapp 50 Jugendvertrauensräte und Leute von der Gewerkschaftsjugend, die so richtig eingeheizt haben. Auf meine Frage, warum so wenige mobilisiert wurden, meinte eine Betriebsrätin: „Wenn‘s den Leuten nicht wichtig ist…“.
Regelmäßig wurde die Stimmungsmache unterbrochen für Reden aus dem Verhandlungsteam: „Die ersten zwei Runden liefen gut, dann kam die dritte und es ist uns wie Schuppen von den Augen gefallen: Das ist ein respektloses Angebot.“ Nach der Kundgebung ist mir nicht klar, was die Perspektive für diese Verhandlung ist, außer dass man sich die Einmalzahlung nicht gefallen lassen will. Nur eine Betriebsrätin aus Linz hat angekündigt, sofern keine faire Vereinbarung gefunden wird, die Maßnahmen auf die nächste Stufe zu heben.
Am Ende hat eine Genossin der RKP einen der wenigen anwesenden anderen „normalen“ Arbeiter angesprochen, der sich noch dazu extra für die Kundgebung Urlaub genommen hat und von der guten Stimmung und Streikbereitschaft in seinem Betrieb berichtet. Er ist Kommunist, kaufte direkt zwei Ausgaben der Zeitung und schaut sich nun neben der KPÖ auch die RKP an.
Ein Chemiearbeiter
Die Kapitalisten haben endlich die Lösung zur Rettung des steirischen Wirtschaftsstandorts gefunden: die Waffenproduktion. Besonders praktische Dual-Use-Güter – die im zivilen wie militärischen Bereich eingesetzt werden können – hätten dabei enorme Potenziale. Der Automobilzulieferer Pankl Racing aus Kapfenberg will bis 2030 einen Umsatz von 100 Millionen in der Rüstungsindustrie erreichen, ein Viertel des derzeitigen Gesamtumsatzes. Die Maschinenfabrik Liezen möchte ebenso weitere Aufträge aus der Rüstung einholen, bei M&H in Ilz will man „ein wenig mitnaschen“ und Winkelbauer aus Anger hat glücklicherweise sogar schon das Know-how im Panzerstahlbereich!
Die österreichische Neutralität ist eine einzige Farce. Was in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur fehlt, das findet sich nun in Panzern, Helikoptern und Drohnen. Erst wenn wir selbst die Kontrolle über die Produktion gewonnen haben, werden wir in all diesen Fabriken wieder sinnvolle Güter herstellen, anstelle von Tötungsinstrumenten.
Paul aus der Steiermark
Im Dezember 2025 wurde seitens unserer Bundesregierung ein Sparpaket beschlossen. Die Auswirkungen machen sich bemerkbar und wir können lehrreiche Erfahrungen daraus ziehen.
Ich arbeite in der Behindertenhilfe. Unser Wohnverbund hat sich jüngst durch eine Teilung neu gegründet. Ein Tag später werden wir informiert, dass wir zwei Stellen und 60 Wochenstunden kürzen sollen. Die Zentrale meines Vereins verkauft uns die Einsparung als Chance, weniger arbeiten zu müssen, da zusätzlich die Betreuungszeit für unsere Klienten gekürzt wird, die Betreuung also verschlechtert wird.
Die Auflage, am Ende des Monats bei 0 Überstunden zu sein, ist keine Genugtuung, sondern man raubt uns die Möglichkeit, Überstunden zu machen. Das bedeutet keine Entlastung, sondern Druck und ständiges Abwägen, was geleistet werden kann und was nicht. Eine flüssige Betreuung kann nur gewährleistet werden, wenn wir flexibel in unseren Stunden sind.
Es muss uns jedoch bewusst sein, dass mit so einem asozialen Budget, das, was wir in der Behindertenhilfe leisten wollen, immer der wirtschaftlichen Lage und dem Interesse einer kleinen davon profitierenden Klasse hintenangestellt wird.
In den Arbeitskämpfen zu den Kollektivvertragsverhandlungen des letzten Jahrs wurde uns immer wieder von der Gewerkschaft und Betriebsräten gesagt, dass die Geschäftsführungen auf unserer Seite kämpfen, da in unserem Bereich gemeinnützig gearbeitet wird. Doch bei den aktuellen Einsparungen hört man gar nichts von der Gewerkschaft. Wir müssen uns als Arbeiterklasse unabhängig für unsere Interessen frei von Sparzwang organisieren.
Hanna aus Wien
Wie mittlerweile jedes Jahr gibt es auch dieses Jahr schon wieder einige Klimarekorde zu verkünden. In Österreich gab es den trockensten Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen. Global war der Mai der heißeste überhaupt und gleich der elfte Monat in Folge, in dem die Temperatur 1.5°C über dem vorindustriellen Durchschnitt liegt. Wir erinnern uns, das ist die Grenze, die die Regierungen im Pariser Abkommen bis 2100 hinauszögern wollten.
Dieses Jahr soll es zusätzlich zu einem „Super-El-Niño“ kommen. Ein Wetterphänomen, bei dem Hitzewellen, Dürren und Extremwetterereignisse vor allem im globalen Süden immensen Schaden anrichten werden.
Und was machen die Herrschenden in Europa? Absolut gar nichts, es wird mittlerweile nicht mal mehr so getan, als würde irgendwen das Thema auch nur ansatzweise interessieren. Das Geld wird in Aufrüstung und die privaten Taschen der Superreichen gesteckt. Die Reichen haben bewiesen, dass sie unfähig sind, die Probleme unserer Zeit mit Kapitalismus zu lösen. Wir müssen ihnen das Steuer aus der Hand nehmen, bevor sie uns alle kollektiv die Klippe runterfahren. Die ökologische Krise stellt immer dringender die Frage, wer über Wirtschaft und Produktion entscheidet. Die Antwort auf die Klimakrise kann nicht in Appellen an dieselben Regierungen und Konzerne liegen, die sie verursacht haben. Nur eine organisierte Bewegung der arbeitenden Bevölkerung kann ihnen die Macht entreißen und Produktion und Gesellschaft nach den Bedürfnissen der Menschen statt nach Profiten gestalten.
Valentin aus Wien
Das erste marxistische Bildungsseminar ist ein prägendes Ereignis im Leben eines jeden Kommunisten. So auch bei mir. Ein Highlight war es, die Inhalte aus den über 20 Vorträgen mit Genossen aus verschiedenen Ländern und Hintergründen zu besprechen. So kann man voneinander lernen. Neben den spannenden Referaten und Plenumsdiskussionen geben Aktivitäten wie etwa das Fußballturnier die Chance, Genossen besser kennen zu lernen. Ich kann von dem Wochenende viel neues Wissen mitnehmen – von der erlogenen Neutralität Österreichs über die Entwicklung des chinesischen Kapitalismus bis hin zu neuen Taktiken beim Fußballspielen (womit wir nächstes Jahr vielleicht sogar Roter Stern Bayern besiegen können).
Das hilft meinem Verständnis und damit auch meiner praktischen Arbeit als Kommunist – und ich glaube, den anderen Kommunistinnen und Kommunisten geht es ebenso. Das zeugt davon, wie bedeutsam das Erlernen von komplexen theoretischen Themen für das Leben jedes Revolutionärs ist und wie viel leichter das Lernen fällt, wenn man es nicht allein macht, sondern es mit anderen gemeinsam durch Diskussionen verstehen und vertiefen kann.
Ich möchte auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein, denn ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Bewegung geben.
Tobi aus Graz
(Funke Nr. 244/03.06.2026)