A Lehrer is ka Kiwara


Mit der Einführung des Kopftuchverbots in den Schulen sollen die Lehrpersonen zu den Vollzugsbeamten der rassistischen Regierungspolitik werden. Wir haben dazu zwei Lehrer aus Wien interviewt, die beide bei der RKP und der Initiative Schule brennt aktiv sind.
RKP: Wie steht ihr als Lehrer zum Kopftuchverbot?
Tobias: Im Endeffekt geht es darum, auf Basis antimuslimischer Hetze einen Sündenbock für all die Missstände im Bildungssystem zu finden und die Debatte von den krassen Sparmaßnahmen abzulenken, die von der Regierung gerade durchgedrückt werden. Zum anderen ist es auf einer rein pädagogischen Ebene skandalös, so ein Verbot schafft definitiv kein Schulklima, in dem sich alle Schüler und Schülerinnen frei entfalten können.
Markus: Zeitlich wurde die Kopftuchdebatte kurz vor dem Aufschnüren des Gehaltsabschlusses (mit Reallohnverlust) von der Regierung losgetreten und hat meiner Ansicht nach auch das Ziel, die Lehrerschaft zu spalten. Konkret bleibt es an uns hängen, das „christliche Abendland“ gegen Muslima mit Kopftuch zu verteidigen, obwohl wir sogar eine Kollegin mit Kopftuch haben. Das ist eine reaktionäre Idee und reiht sich in die „geistige Landesverteidigung“ ein, im Rahmen derer sogar Offiziere an Schulen Vorträge halten.
Die Herrschenden setzen den Rotstift nicht nur bei der Bildung, sondern auch im Gesundheitswesen usw. an, während für Aufrüstung Milliarden investiert werden. Unsere Antwort ist „Bildung statt Bomben“.
RKP: Wie ist die Stimmung bei euch im Lehrerzimmer?
Tobias: An meiner Schule gibt es allgemein wenig Raum, über solche schulisch und gesellschaftlich relevanten Themen ausgiebig zu diskutieren. Nichtsdestotrotz sehe ich meine Rolle als Kommunist an der Schule darin, diese Debatte im Kollegium loszutreten und kommende Konferenzen zu nutzen, um die tatsächliche Meinung und das Kräfteverhältnis im Kollegium zum Ausdruck zu bringen. Ein Gymnasiallehrer hat mir z.B. erzählt, dass es an seiner Schule bereits nach der Ankündigung des Gesetzesentwurfs eine Diskussion gab, in der sich das Lehrpersonal kollektiv gegen die Durchsetzung des Kopftuchverbots ausgesprochen hat.
Markus: Derzeit geht es mir darum, betroffene Schülerinnen vor institutioneller Diskriminierung und Repression zu schützen und darum, die bewusstesten Lehrer von einer solidarischen, antirassistischen Einstellung zu überzeugen.
RKP: Welche Rolle spielen die Lehrer-Gewerkschaften oder andere Organisationen in all dem?
Markus: Die schwarze und rote Gewerkschaftsfraktion hat ihre Autorität im Herbst genutzt, um die Gehaltseinbußen durchzusetzen. Der Vorsitzende der schwarzen Gewerkschaft gibt selbst migrantischen Kindern die Schuld am Zustand des Schulsystems, statt fehlendes Personal und schlechte Arbeitsbedingungen als Kernproblem zu benennen.
Tobias: Von der GÖD-Führung und den Gewerkschaftsfraktionen kommt gar nichts. Die gehen diesem Thema ganz aus dem Weg. Sie sitzen damit im selben Boot mit der Sparregierung, anstatt ihre Mitglieder zu vertreten. Ich finde, die Schlussfolgerung sollte dennoch nicht sein, deshalb aus der Gewerkschaft auszutreten, sondern vielmehr, auf die jetzige Führung einen organisierten Druck von unten auszuüben, angefangen bei den Personalvertretungen. Die Basisinitiative „Schule brennt“ ist ein erster Ansatzpunkt, diesen Kampf zu organisieren.