Klassenkampf in der IT


Die Arbeitsbedingungen in der IT werden immer härter. Laut Umfrage der deutschen Gewerkschaft Verdi steht die Mehrheit der IT-Beschäftigten ständig unter Zeitdruck und knapp ein Drittel glaubt nicht, den Job bis zur Pension machen zu können. Mir und meinen Kollegen geht es genauso. All-in-Verträge sind der Standard und von uns wird immer mehr und mehr in derselben Zeit verlangt. Von Clemens Gruber
Um uns gegen die ständige Arbeitsverdichtung und den Druck, Überstunden zu machen, zu wehren, überlegen wir jetzt, einen Betriebsrat zu gründen. Alle sind sich einig, dass wir als Belegschaft nur gemeinsam stark sind. Wir haben mit dem Gedanken schon länger gespielt, aber hatten immer das Gefühl, es sei die Mühe nicht wert. Die Krise wird jetzt aber immer spürbarer und wir müssen uns wehren.
Ich habe oft Diskussionen mit Kollegen darüber, dass unsere Arbeitsbedingungen schlechter werden. Alle sehen das, sind aber ratlos, was wir dagegen machen können. Ich trete dabei immer sehr offen als Kommunist auf. Ich betone, dass es zwar wichtig ist, für unmittelbare Verbesserungen zu kämpfen, aber wir ohne ein revolutionäres Programm in der jetzigen Periode keine dauerhaften Verbesserungen erzielen können.
Viele meiner Kollegen kritisieren die Gewerkschaft sehr scharf dafür, dass die jährlichen KV-Abschlüsse immer schlechter werden und fühlen sich nicht gut vertreten. Das zeigt deutlich ein höheres Klassenbewusstsein und größere Kampfbereitschaft, als die Gewerkschaftsführung uns zutraut. Ich versuche dabei immer zwischen der Gewerkschaft im Allgemeinen und ihrer Führung zu differenzieren. Letztere müssen wir in Frage stellen und herausfordern. Das geht aber nur, wenn wir Teil der Gewerkschaft sind. Wir müssen uns dieses mächtige Instrument unserer Klasse zurückerobern.
In den aktuellen KV-Verhandlungen blockieren die Arbeitgeber die Erhöhung der Ist-Gehälter. Diese Erhöhung ist in der IT aber zentral, weil die Mindestgehälter in vielen Bereichen deutlich unter den Reallöhnen liegen. Darauf zu verzichten heißt, drastische Reallohnverluste zu akzeptieren. Die GPA ruft zu einer Demonstration am 22.1. auf. Das ist ein erster Schritt, darf aber nur der Anfang sein. Nur mit einer breiten Mobilisierung und echten Kampfmaßnahmen statt symbolischer Aktionstage können wir eine Verbesserung erzielen. Aber selbst damit werden wir unsere Gehälter und Arbeitsbedingungen in der kapitalistischen Krise nicht langfristig sichern können – dafür brauchen wir ein revolutionäres Programm und den Kampf für eine befreite Gesellschaft, ohne ständig steigenden Druck.
(Funke Nr. 240)