…wird ein Feuer entfachen!


WM. Anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft in Russland werfen wir einen Blick auf den Charakter von sportlichen Großereignissen. Von Helene Steiner.


Diese WM ist die bisher teuerste. Auch jene in Katar 2022 wird voraussichtlich weniger kosten. Die deutsche Zeitung SZ beschreibt den Bau des Krestowski-Stadions in Sankt Petersburg mit „mehr als 800 Millionen Euro Kosten, undichtem Dach, Korruptionsverdacht und Sklavenarbeitern aus Nordkorea“. In Russland werden riesige Stadien für das Großereignis gebaut, von denen einige zukünftig nicht benötigt werden. Das ist bei sportlichen Großevents üblich, auch in Österreich wurden für die EM 2008 Stadien gebaut, die im Nachhinein wieder zurückgebaut werden mussten. Argumentiert werden die massiven öffentlichen Ausgaben für solche Events meist mit den Chancen auf Steuereinnahmen, allerdings kann man sich real nichts davon erwarten. Die FIFA erzwingt zum Beispiel Besonderheiten im Bereich Arbeitsrecht, für Steuern und den Verkauf im Bereich der Stadien. Die Profite gehen also natürlich in private Hände. In Brasilien 2014 gab es massive Proteste rund um die WM, die sich auch gegen Sondergesetze eigenes für die Austragung der WM richteten. Jegliche Proteste gegen die Milliardenausgaben für die Austragung der WM wurden damals kriminalisiert und Wohnsiedlungen, die die Austragungsorte „stören“ könnten, geräumt, also Menschen von ihren Wohnorten vertrieben.

Das politische Interesse der Herrschenden

Doch die Reichen und Mächtigen sind gerne bereit, Unmut über diese Dinge auf sich zu nehmen - denn sie profitieren von solchen Großereignissen in vielfältiger Weise. Ein großes „Fußball-Fest“ ist natürlich eine willkommene Ablenkung, wenn der Alltag nur harte Arbeit und Sorgen bringt. Endlich kann man mal Emotionen zeigen, die man aufgestaut hat, wenn einen der Chef mal wieder zusammenstaucht! Die herrschende Klasse setzt so gerne auf die Ablenkungsfunktion von sportlichen Großereignissen. Andererseits ist es natürlich für die Herrschenden hilfreich, dass ein „Wir“-Gefühl anhand des Mitfieberns für das jeweilige Nationalteam erzeugt werden kann. Auf einmal hat ein Regierungsmitglied und ein Arbeiter, der Chef einer Großbank und ein einfacher Bankangestellter scheinbar dasselbe Interesse, nämlich den Sieg des Nationalteams. Zusammen mit der Sportbegeisterung wird über die Hintertür so der Nationalismus gefördert. Dieser wird gerne als Beruhigungsmittel im Zuge von sozialen Kahlschlägen für die Masse der Bevölkerung ausgenutzt und dient der Entsolidarisierung der ArbeiterInnen. Selbst in Österreich (das nicht mit einem Nationalteam bei der aktuellen WM vertreten ist) wurden Einschnitte ins Arbeitsrecht (Stichwort 12h-Tag) parallel zum Eröffnungsspiel eingebracht. Diese Stimmung nützen auch offen rechtsradikale und rassistische Gruppen. Während der WM in Deutschland 2006 war etwa ein Anstieg von rassistisch und fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten feststellbar.


In Stadien und in der Fanszene artikuliert sich aber regelmäßig auch politischer Protest, wichtiges Thema ist dabei die staatliche Repression. In Stadien werden gerne Repressionsmethoden ausgetestet und mit der „Hooligangefahr“ legitimiert, die später an der Gesamtbevölkerung angewandt werden, wie beispielsweise Einschränkungen in Versammlungsfreiheit, Überwachungsmethoden und Gewalteinsatz durch die Polizei.

Kommerzialisierung

Ein weiterer Punkt, der auch immer wieder in der Kritik von Fans steht, ist die Kommerzialisierung von Fußball. Natürlich ist Fußball schon lange ein riesiger Geschäftszweig. Ein Freizeitvergnügen wie Sport findet, wie alles im Kapitalismus, nur statt, wenn jemand damit Geld verdient. Die direkten Ticketpreise von Fans sind dabei nur ein kleiner Teil des finanziellen Interesses am Sport. Wichtiger sind die Werbeflächen besonders bei Fernsehübertragungen.


Die Korruptionsskandale rund um die FIFA der letzten Jahre haben nur die Spitze eines Eisbergs im System Fußball aufgezeigt. Dabei ging es um Vorwürfe der Bestechungen im Bereich der Vergabe (bei den WMs 2018 in Russland sowie 2022 in Katar), aber auch bei den Übertragungs- und Sponsoringrechten. Das sind keine zufälligen Ausreißer in einem sonst funktionierenden System und auch kein persönliches Versagen von Einzelpersonen, sondern regulärer Teil des Geschäftes im Profisport. So zeigt sich gerade auch in der höchsten Ebene beim beliebtesten Sport der Welt, wie der Kapitalismus funktioniert und zerstört.

(Funke Nr.165/Juni 2018)




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