…wird ein Feuer entfachen!

Helene Steiner wirft aus Anlass der Fußballweltmeisterschaft einen genaueren Blick auf die aktuelle Situation Südafrikas.

„Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban, Port Elisabeth und Kapstadt und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss und insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit gemieden werden; an Sonn- und Feiertagen sollte man sich nur in Gruppen in den Innenstädten aufhalten. Auch ist tagsüber erhöhte Vorsicht angeraten“, so das deutsche Auswärtige Amt. Wieso hält es dieses Amt für so gefährlich nach Südafrika zu reisen?

Südafrika steht auch nach dem Ende der Apartheid 1994 noch vor vielen Problemen. In westlichen Medien wird oft von der extremer Gewalt berichtet. Es wurden seit 1994 230.000 Schwarze ermordet, es gibt enorm viele Vergewaltigungen. Diese Akte der Brutalität sind vor dem Hintergrund der gewaltigen sozialen Krise in dem Land zu sehen. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt bei 23,5%, real schaut die Situation noch schlimmer aus. Große Teile der Bevölkerung leben ohne Strom oder Zugang zu medizinischer Versorgung, viele können sich diese auch nicht leisten. Zudem ist die HIV-Rate so hoch wie in kaum einem anderen Land. Was ist die Ursache für all diese Probleme?

Nach der Apartheid

Mit dem Ende der Apartheid bekam eine kleine Schicht von Schwarzen die Möglichkeit sozial aufzusteigen. So wurden im Rahmen des „Black economic empowerment program (BEE)“ Posten im Staatsapparat und Aktien zum Teil an Schwarze verteilt. Es bildete sich dadurch ein Kleinbürgertum in der schwarzen Bevölkerung heraus, der Großteil der Schwarzen lebt aber weiterhin in extremer Armut. Viele hatten sich durch ihren Kampf gegen den Rassismus eine stärkere Verbesserung ihres Lebensstandards erwartet. Enttäuschung und Perspektivlosigkeit treiben viele in die Gewalt.

Gleichzeitig ist eine Schicht des weißen Kleinbürgertums, das stark von der Apartheid profitiert hatte und sie deshalb unterstützte, verarmt. Aus dieser Schicht rekrutiert sich zum großen Teil eine offen neo-nazistische und paramilitärische Organisation namens Afrikaner Resistance Movement (AWB).

African National Congress

Die schwarze Bevölkerungsmehrheit setzte nach der Überwindung der Apartheid viel Hoffnung in die Regierung des African National Congress (ANC). 1912 gegründet kämpfte er seitdem gegen die Apartheid. In ihm vereinten sich verschiedene politische Kräfte, besonders wichtig war bis zum Fall der Sowjetunion die Kommunistische Partei.

Anfang der 1990er Jahre, am Höhepunkt des Kampfes gegen die Apartheid, kam es zu einem Kompromiss mit der damaligen Regierung. Bei den folgenden Wahlen erhielt der ANC über 60%. Die Grundsätze der „Freedom Charter“, dem Manifest des Befreiungskampfes des ANC, die nur im Zuge einer sozialistischen Umwälzung auch wirklich umsetzbar gewesen wären, waren bald vom Tisch.

So forderte der ANC, dass sich die Bevölkerung den Reichtum Südafrikas teilt und das Land unter jenen verteilt wird, die es bearbeiten. Der ANC betreibt seit dem Ende der Apartheid aber eine arbeiterInnenfeindliche Politik, da er Südafrika kapitalistisch aufbauen wollte.

Doch Teile der Basis des ANC und der Kommunistischen Partei (SACP) spielen eine zentrale Rolle in den Protestbewegungen gegen die Regierungspolitik ihrer eigenen Führung. Gerade in den Monaten vor der Fußball-WM konnten wir eine Vielzahl militanter Streiks (z.B. im Transportsektor) und anderer Klassenkämpfe rund um eine ganze Reihe sozialer Fragen sehen.

Die linksgerichtete MetallarbeiterInnengewerkschaft NUMSA fordert die Enteignung schwarzer Minenbesitzer, die durch das BEE-Programm profitiert haben und gleichzeitig massiv Arbeitsplätze vernichten. Die ANC-Jugendliga, die im Kampf gegen die Apartheid eine ausschlaggebende Rolle einnahm, fordert mittlerweile die Verstaatlichung der Minen.

Diese sind in Südafrika die wichtigste Industrie und die Gewinne gehen großteils direkt an Konzerne in den USA, Kanada oder Japan. Die Verteilung des Reichtums, wie sie schon in der Freedom Charter des ANC von 1955 gefordert wird, steht also wieder zur Diskussion.


Dienstag, 6. Juli, 19 Uhr
Diskussionsveranstaltung "Südafrika und der Kampf um Befreiung"
Der Höhepunkt der diesjährigen Fußball-WM rückt näher. Wir schauen uns die Klassenkampftraditionen in diesem Land an und welche Aufgaben sich der südafrikanischen Linken 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid stellen.
Im Café Funke, Lustkandlgasse 10/1, 1090 Wien




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