Uns erreichte ein Bericht aus der Arbeit bei Hofer. Wir fragen uns: Sind Blumenerde und Gartenstühle wirklich systemerhaltend? Und was ist die „Corona-Prämie” für MitarbeiterInnen wert, wenn neue KollegInnen in billige Leiharbeitsfirmen ausgelagert werden?

 

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In einem Hofer-Großlager zu arbeiten ist körperliche Schwerstarbeit wo stundenlang schwere Kisten geschleppt werden müssen. Dennoch war es für uns in Zeiten der Hamsterkäufe kein Problem, Überstunden zu machen, damit die Menschen weiter ihr Essen am Tisch haben. Doch zu unserem Ärgernis mussten wir uns nicht nur um die notwendigen Waren kümmern, sondern weiterhin Aktionsware wie Gartenstühle oder Blumenerde versandfertig machen.

Zwar sind die Hamsterkäufe vorüber, aber die Arbeit ist trotzdem nicht in den Normalbetrieb zurückgefahren worden. Wochenlang bei dieser Arbeit Mehrstunden zu machen, hält kein Mensch aus. Die Mehrstundenberge häufen sich und viele gehen gerade in Krankenstand, weil ihr Rücken vom stundenlangen Hochheben und Schleppen überlastet ist. Auch ist der Teil des Lagers wo die Aktionsware gelagert wird der engste, das heißt Sicherheitsabstand zu halten ist unmöglich. Zeitweise tummeln sich 30 Leute auf ca. 100m². Als ob das Ansteckungsrisiko im überfüllten Pausenraum nicht hoch genug wäre. 

Das heißt unser Rücken geht kaputt, wir haben Angst uns anzustecken und durch die Aktionsware gehen Leute einkaufen, obwohl sie lieber zuhause bleiben sollten.

Hofer mitHerzundVernunft„mitHerzundVernunft”, sagt www.hofer.at

In der Coronakrise haben viele neue KollegInnen bei uns begonnen. Doch sie werden nicht direkt bei Hofer angestellt, wo sie bei 20-24 Stunden (die meisten arbeiten aufgrund der körperlichen Belastung nur Teilzeit) ca. 1100€ Brutto verdienen würden, sondern bei einer Leiharbeitsfirma für nur 900€. Diese Konstruktion dient dazu, Druck auf uns auszuüben, denn nur wenn man es schafft 200 Kartons die Stunde zu schlichten wird man von Hofer übernommen. Natürlich werden in der Praxis mehr als die 200 verlangt.

Wir haben kein Problem damit, die Arbeiten zu erledigen, die notwendig sind. Wir haben aber ein Problem damit, wenn unsere Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird, damit schnell ein paar Euro mehr Gewinn gemacht werden.

Wir wollen, dass für die Dauer der Gesundheitskrise wir keine Aktionsware mehr fertig machen müssen und damit weniger Überstunden und Ansteckungsrisiko haben.

Auch sollen alle LagerarbeiterInnen von Hofer übernommen werden. Alle geben sich hier Mühe und keiner sollte 200€ weniger als der Rest verdienen.


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