Saudi-Arabien. Rund um die Debatte zur Schließung des Abdullah-Zentrums in Wien wurde viel über Menschenrechtsverletztungen in Saudi-Arabien berichtet. Ein besonders hartes Los haben die ArbeitsmigrantInnen im Wüstenstaat.

 

33/100

 Monat für Monat reisen Tausende ArbeiterInnen aus Pakistan, Indien, Bangladesch, Indonesien und anderen asiatischen Ländern auf der Suche nach besseren Löhnen und einer besseren Zukunft nach Saudi Arabien. Doch dort erwarten sie nur Höllenqualen. Jede/r von ihnen kann über haarsträubende, herzzerreißende und endlose Geschichten von Misshandlung und Ausbeutung erzählen, die zeigen, dass die moderne Sklaverei in diesem Land immer noch intakt ist und gut gedeiht. Es ist eine Mischung aus der Macht des Öls und einer totalitären Auslegung des Islam, die eine Mentalität geschaffen haben, die diese ArbeiterInnen zu rechtlosen SklavInnen der Launen und Wünsche der Saudis machen. Die Saudis fühlen sich als die Herrscher über die Körper und Seelen dieser ArbeitssklavInnen. Mit herabwürdigenden Schimpfnamen wird diesen ArbeiterInnen Tag für Tag eingehämmert, wo ihr Platz in der gesellschaftlichen Hierarchie ist.
Ein ca. 3x4 Meter großes Zimmer, in welches mindestens 6-8 Menschen wie Tiere gepfercht werden, dient ihnen als Unterkunft. In der Industrie sind Sicherheitsvorschriften oder Schutzausrüstungen für die ArbeiterInnen weitgehend unbekannt. Im Krankheitsfall oder bei Verletzungen müssen die ArbeiterInnen 80% der anfallenden Kosten für die medizinische Versorgung selbst bezahlen. Das versprochene Gehalt wird nie rechtzeitig gezahlt und Verzögerungen von 2-3 Monaten sind normal. Ein freies Wochenende ist für ArbeitsmigrantInnen ein Fremdwort, genauso wie es keine Vergütung von Überstunden gibt. Die ArbeiterInnen brauchen ein besonderes Visum, um nach Saudi-Arabien kommen zu können. Die Gebühr dafür wird jedoch von Jahr zu Jahr erhöht, womit sich der Staat einen nicht unbeträchtlichen Teil des Lohns holt. Viele müssen sich schon im Vorfeld verschulden, um das Visum zahlen zu können.
Es gibt kein Recht, sich zu Gewerkschaften zusammenzuschließen oder zu streiken. Selbst Einheimischen ist dies strengstens untersagt. Sofern Missstände überhaupt jemals vor Gericht kommen, so ist das Recht immer auf der Seite der Unternehmen. Verstoßen ArbeiterInnen gegen Regeln werden sie bestraft, indem ihnen der Lohn nicht ausbezahlt wird und sie abgeschoben werden. Diese Repression hat vor allem den Zweck, den Willen der ArbeiterInnen zu brechen.
Besondere Misshandlungen müssen die Hausangestellten ertragen. Ihre Pässe werden bei der Ankunft durch die Familie konfisziert, sodass sie in völliger Abhängigkeit stehen und alles ertragen müssen. Die körperliche Arbeit, die sie täglich verrichten müssen, ist extrem belastend. Darüber hinaus werden sie immer wieder sexuell genötigt, und zwar auch die männlichen Diener, die der Dame des Hauses zur Verfügung stehen müssen. Falls diese aus reiner Willkür dann sexuelle Belästigung unterstellen, droht den Männern der Tod durch Steinigung, der herkömmlichen Bestrafung für Ehebruch.
Über Jahrhunderte gab es in der Region Sklavenmärkte, wo Frauen für die sexuelle Befriedigung von reichen Männern feilgeboten wurden. Das moderne Äquivalent dazu ist der Import armer Mädchen aus Asien, die als Dienstmädchen angestellt werden. Sobald die Frauen ankommen, werden sie von den Männern des Hauses vergewaltigt. Wenn diese misshandelten Frauen schwanger werden, werden sie sofort abgeschoben, sodass wieder frisch Fleisch für die Wölfe herbeigeschafft werden kann. Es gibt zahllose Mafiagruppen, die international tätig sind, um arme Frauen unter falschem Vorwand in die sexuelle Sklaverei zwingen und daran Geld verdienen.
Wie lange wird die Menschlichkeit in diesem konservativen, reaktionären Land der angeblich Frommen noch mit Füßen getreten werden? Wie lange wird die Macht des Geldes noch regieren?

Quelle: Pakistan Trade Union Defence Campaign (www.ptudc.org)

PTUDC MigrantInnen Saudi Arabien

Unsere Arbeit kostet Geld. Dabei sind wir exklusiv auf die Unterstützung unserer LeserInnen und UnterstützerInnen angewiesen. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, zögere nicht und lass uns deine Solidarität spüren. Ob groß oder klein, jeder Betrag hilft und wird wertgeschätzt.

Der Funke  |  IBAN: AT48 1513 3009 5102 5576  |  BIC: OBKLAT2L

Artikel aus der Kategorie