Aufruf zu den Antifaschistischen Aktionstagen der SJ Vorarlberg. Funke-UnterstützerInnen werden sich außerdem an den Gedenkfeiern für die Februarkämpfe in Wien, Oberösterreich und Tirol beteiligen.

 

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Vor 75 Jahren – im Februar 1934 – holte das austrofaschistische Regime unter dem „christlichsozialen“ Bundeskanzler Engelbert Dollfuß zum finalen Schlag gegen die linke ArbeiterInnenbewegung aus. Bereits im Vorfeld wurden sämtliche Schritte unternommen, die den Weg zur faschistischen Diktatur ebneten. So wurden bereits Rede-, Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit beseitigt, Polizei wie faschistische Banden griffen immer öfter zu Gewalt gegenüber in Gewerkschaft und Sozialdemokratie organisierten ArbeiterInnen und Jugendlichen.

Am 12. Februar wollte der Staat, der sich hauptsächlich am italienischen Faschismus orientierte, der ArbeiterInnenklasse endgültig das Rückgrat brechen. Militär, Polizei und die faschistische „Heimwehr“ begannen in Linz damit, die Lokale der ArbeiterInnenbewegung zu räumen – und trafen auf antifaschistischen Widerstand. Wie ein Flächenbrand breitete sich der Kampf auf alle maßgeblichen Industriezentren Österreichs aus. Der österreichische Bürgerkrieg begann - und wurde mit aller Härte geführt. Widerstandskämpfer, die gefangen genommen wurden, wurden standrechtlich zum Tode verurteilt – dies entsprach einem ausdrücklichen Wunsch von Kanzler Dollfuß. In Wien ging der Staatsapparat sogar so weit, Gemeindewohnbauten mit Artillerie zu beschießen.

Da jedoch die Sozialdemokratie kein Konzept hatte, wie der Kampf geführt werden sollte und es bereits in der Vergangenheit vermieden hatte, sich auf eine derartige – an sich voraussehbare – Situation vorzubereiten, lief der Widerstand unkoordiniert ab und war ausschließlich der Initiative entschlossener ArbeiterInnen und Jugendlicher zu verdanken. Dem gut koordinierten Apparat aus Militär, Polizei und faschistischen Banden hatte der Widerstand schlussendlich dennoch nichts entgegenzusetzen und unterlag nach nur wenigen Tagen.

Das eigentliche Blutgericht sollte jetzt erst beginnen. Vielen ArbeiterInnen wurde der (kurze) Prozess gemacht – sie wurden sofort zum Tode verurteilt. Zwei Aktivisten des Republikanischen Schutzbundes – der antifaschistischen militärischen Einheit der Sozialdemokratie – wurden trotz ihrer schweren Verwundungen noch mit der Bahre zum Galgen getragen.

Im Februar 1934 wurde in Österreich die ArbeiterInnenbewegung endgültig zerschlagen. Was schon Jahre zuvor begann, wurde hier vollendet. Kanzler Dollfuß baute in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, den Unternehmerverbänden, den faschistischen Heimwehren und dem italienischen Faschismus seinen antidemokratischen „Ständestaat“ auf. Als einige Jahre später die Nazis Österreich ans Deutsche Reich angliederten, gab es in der Gesellschaft keine Kraft oder Organisation mehr, die sich dagegen wehren hätte können. Der Widerstand des Austrofaschismus gegen den Faschismus aus Deutschland war teils nur halbherzig, hauptsächlich überhaupt nicht gegeben – so bedeutete für viele österreichische Faschisten der Nationalsozialismus einen möglichen Karrieresprung.

Bundeskanzler Dollfuß wird in den Reihen der ÖVP trotz alledem nach wie vor als Held gefeiert. In der Geschichtsschreibung der ÖVP gilt Dollfuß als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, weil er von einem Nazi ermordet wurde. Dabei wird bewusst verschwiegen, dass der einzige Grund für Dollfuß´ Ablehnung des Nationalsozialismus in seiner Orientierung auf den italienischen Faschismus lag. Und dies auch nur, weil dieser im Gegensatz zum Nationalsozialismus dem österreichischen Staat sein Existenzrecht nicht absprach.

Auch in Vorarlberg hat sich die ÖVP nie von ihrem faschistischen Erbe distanziert. So werden beispielsweise Auslandsstipendien für VorarlbergerInnen von der sogenannten „Dr. Otto Ender Stiftung“ verwaltet. Otto Ender war bis Mitte 1934 Landeshauptmann von Vorarlberg, pflegte gute Kontakte zu Engelbert Dollfuß und führte Jahrelang den Vorarlberger Ableger der faschistischen Heimwehren an, der hier „Heimatschutz“ hieß. Bereits 1927 hetzte er diese Truppe gegen streikende Vorarlberger ArbeiterInnen. Im Jahr zuvor hatte er rechtswidrig zur Zensur gegriffen und die Aufführung des sowjetischen Revolutionsfilms „Panzerkreuzer Potemkin“ in Vorarlberg verboten. 1933 meinte er mit einem Blick nach Deutschland: „Was gesund ist am Hitlertum, wollen wir aufgreifen ...“. Bis heute wird dieser Otto Ender von der Vorarlberger Landesregierung als ehrenwerte Persönlichkeit gehandelt.

Wir möchten am Jahrestag des Ausbruchs des Bürgerkrieges an die Opfer in den Reihen des antifaschistischen Widerstands erinnern – an all die mutigen kampfbereiten Frauen und Männer, die ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus verloren haben. Gleichzeitig wollen wir in Vorarlberg, dieser Hochburg der ÖVP, auf die Verbrechen ihrer Vorgängerpartei aufmerksam machen und mit einem Fackelzug ein deutliches Zeichen gegen Faschismus und Geschichtsrevisionismus setzen.

Quelle: SJ Vorarlberg


Wir rufen auf zur Beteiligung an den Antifaschistischen Aktionstagen:

5. Februar:
* Diskussionsrunde "Was ist Faschismus?"
18:00, Treffpunkt Bhf Bregenz / Rolltreppe

12. Februar:
* Antifaschistischer Fackelzug,
18:30, Treffpunkt Bhf Bregenz
* Vortrag und Diskussion mit dem Vorarlberger Historiker Werner Bundschuh zum Thema "Die Entwicklung des Faschismus in Vorarlberg",
19:30, Jugendgästehaus Bregenz (hinter dem Bahnhof)


Weitere Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag der Februarkämpfe:

Wien:
12. Februar, um 18.00 Uhr
Rabenhof, Rabengasse 3, 1030 Wien

Linz:
12. Februar,
Aktion der SJ Römerberg und der SJ Steg am Taubenmarkt ab 14 Uhr
Gedenkveranstaltung der SPÖ, um 18.30 Uhr
Landstraße 36, 4020 Linz (ehem. "Hotel Schiff")

Innsbruck:
12. Februar,
Gedenkveranstaltung der Jusos Tirol, um 19:30 Uhr, ÖGB-Haus, Südtiroler Platz 14 – 16, Großer Saal


Lesetipp:
"So starb eine Partei" - Der Weg in den Februar '34
Rote Reihe Nr. 22
Preis: 3 Euro/Soli-Preis: 5 Euro

Diese Broschüre erschien anlässlich des 70. Jahrestags der Februarkämpfe 1934. Das Motto, das wir dieser Arbeit voranstellten, lautete: „Es ist schwer, kritisch zu prüfen, aber es ist unsere Pflicht, gerade angesichts der Opfer, damit ihr Opfer nicht vergebens bleibe!“
Vor mittlerweile 75 Jahren ereigneten sich die blutigen Ereignisse des Februar 1934. Nach Jahren der reaktionären Offensive holten die Bürgerlichen damals zum entscheidenden Schlag gegen die organisierte ArbeiterInnenbewegung aus. Die Organisationen der ArbeiterInnenbewegung wurden verboten, Hunderte ArbeiterInnen, die sich gegen die faschistische Machtergreifung zu Wehr gesetzt hatten, ließen ihr Leben, waren verletzt oder wurden verhaftet, viele Schutzbündler mussten emigrieren. Auf dem Wiener Rathaus wehte die Kruckenkreuzfahne der Austrofaschisten, während durch das Land der modrige Geruch des konservativen Zeitgeists wehte.
Mit dieser Broschüre wollen wir einen Überblick über die historischen Prozesse geben, die zum Februar 1934 führten. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Strategie und Politik der Sozialdemokratie, die in der Ersten Republik de facto die gesamte österreichische ArbeiterInnenklasse organisierte. Das stellte uns vor die Herausforderung, den Austromarxismus, worunter wir in diesem Zusammenhang die Theorie und Praxis der Sozialdemokratie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verstehen, einer marxistischen Kritik zu unterziehen.
Wir hoffen mit dieser Broschüre einen Beitrag zur Debatte rund um diese historischen Ereignisse und die Lehren für die heutige politische Ausrichtung der ArbeiterInnenbewegung zu leisten.

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