Wie komme ich als Einzelperson an der Schule zum Schulkomitee?


Wir schildern hier zwei konkrete Erfahrungen von Schülerinnen.
Angefangen hat es damit, dass zwei Freunde mit mir am RKP-Schülertreffen im August waren, was ihnen sehr gefallen hat.
Inspiriert von der Diskussion haben wir danach in unsere Klassen-Whatsapp-Gruppe geschrieben, wer an dem Streik gegen das Kopftuchverbot interessiert ist und eine Umfrage gemacht („ja“ „nein“ „vielleicht“). Zuerst kamen sehr viele Fragen in die Gruppe, die ich beantwortet hab. Alle, die „ja“ angeklickt haben, hab ich in eine eigene Gruppe getan; mit allen die „vielleicht“ angeklickt haben, hab ich das Gespräch gesucht, um zu diskutieren.
In den Gesprächen wurde klar, dass viele unsicher sind wegen der Fehlstunden von einem Streik. Daher habe ich einen Wirtschafts- und Recht-Lehrer nach der rechtlichen Lage gefragt. Er hat bestätigt, dass die Schule mit einer Eltern-Entschuldigung rechtlich gar nichts dagegen tun kann, z.B. kann man als Grund „privat“ angeben. Das hat viele erleichtert.
Ich hab dann Mitschüler gefragt, ob sie mit mir Klos beflyern wollen. Überraschenderweise waren sie viel direkter und haben vorgeschlagen, gemeinsam in den Pausen durch die Klassen in unserem Zweig zu gehen. Wir sind gemeinsam gegangen; ich hab vor allem viel geredet & erklärt worum es geht, die anderen haben den Link für unsere Gruppe weitergegeben und geflyert; wir haben auch den Klassensprechern gesagt, sie sollen den Link in die Klassengruppen stellen und auch in die schulweite Klassensprecher-Gruppe.
Wir haben dann an einem Tag alle Schüler zu einem Infotisch vor der Schule in der großen Pause eingeladen. Obwohl der Schulwart versucht hat, den Infotisch zu verscheuchen, musste der Direktor (der geholt wurde) zugestehen, dass wir dort legal stehen. Es war einer der besten Infotische jemals, viele Schüler haben mit uns diskutiert.
Ich habe auch die Schülervertreter angesprochen. Einer ist für den Streik, die anderen finden, es geht sie nichts an und sie sollten unpolitisch sein. Ich habe ihnen ein E-Mail geschrieben, in dem ich erklärt habe, dass sie eigentlich die Interessen der Schüler, und nicht von sich selbst, vertreten sollten und vielleicht mal die Schüler fragen sollten, was ihre Meinung ist.
Einige Schüler haben zugesagt, zum wienweiten Vernetzungstreffen am Sonntag zu gehen. 2 Kollegen haben gesagt, dass sie nächste Woche auf ein RKP-Ortsgruppentreffen gehen möchten.
Der wichtigste nächste Schritt ist, dass wir uns jetzt offiziell als Schulkomitee gründen und abstimmen. Denn real agieren wir schon fast wie eines. Aber man kann noch viel besser systematisch die ganze Schule informieren, Inhalte diskutieren, z.B. anhand von Artikeln, Fragen beantworten, mehr Kollegen und Klassen einbinden, auf Lehrer zugehen, vielleicht auf andere Schulen zugehen, … usw. Wirklich jeder kann eine Aufgabe bekommen. Dafür brauchen wir ein Treffen, auf dem mehr Zeit ist und wo alle Pläne genau abgestimmt werden.
Flora aus Wien
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2022 war ein nicht sonderlich spektakulärer Schulstreik dafür, dass die Matura für die Corona-Jahrgänge vereinfacht werden sollte.
Ich habe mich bei der Schulsprecherin, die auf Insta schon zum Streik aufgerufen hat, gemeldet (die war bei der AKS) und mit ihr eine Schulstreik Whatsapp-Gruppe erstellt und Flyer mit dem QR-Code zur Gruppe in der Schule aufgehängt (something like: „Bau den Schulstreik an der Herbststraße auf!”).
Dadurch konnten wir ca. 3 andere Schüler für das Komitee finden. Bei den Streikkomitee-Treffen habe ich die Perspektiven, die wir davor auch auf der Ortsgruppe besprochen haben, eingebracht (es geht nicht nur um die Matura, Schulen haben genug Probleme: Lehrermangel, keine Klimaanlagen, Einsparungen, eh dasselbe wie jetzt noch immer).
Wir haben uns wöchentlich getroffen, um den Streik in der Schule zu bewerben (Flyer an den Klos aufhängen, “Schulstreik am xx. xx. 2022” auf Tafeln schreiben, mit unseren Klassen reden usw). Ich habe, wann auch immer ich die Möglichkeit hatte, in Diskussionen im Deutschunterricht die Probleme in der Schule, den Streik und das Komitee erwähnt.
Am Streiktag selber waren es nur wenige Schüler, die sich vor der Schule gesammelt haben, um zu streiken (nicht wirklich mehr als das Komitee selbst), wir konnten noch vereinzelt ein paar Schüler überreden, waren aber trotzdem nicht wirkliche viele.
Um noch mehr Schüler zu finden, sind wir durch jeden Klassenraum gegangen und unsere Schulsprecherin hat für jede Klasse einen kurzen Input (mit unseren Perspektiven!) gemacht und dazu aufgerufen, sich dem Streik anzuschließen. Dadurch sind aus fast jeder Klasse Leute mitgekommen, auch Schüler, mit denen ich die letzten Wochen schon darüber geredet habe, die zuerst nicht so motiviert schienen, wurden durch diesen letzten Anstoß mitgerissen. Am Ende waren wir um die 50 Schüler und damit eine der größten Streikgruppen aus einer Schule an diesem Streik.
Aufgrund meiner Streikaktivität wurde ich von meiner Direktorin zu einem Gespräch eingeladen, ich habe einen Kollegen aus dem Streikkomitee mitgenommen und die Direktorin war offensichtlich ziemlich perplexed davon, dass ich mir Solidarität mitgenommen habe und das Gespräch verlief daraufhin ohne Konsequenzen. (Sie können euch weniger gut einschüchtern, wenn mehrere auf eurer Seite sind!)
Mir ist eigentlich erst durch die jetzige Schulstreik-Kampagne aufgefallen, dass der Streik 2022 gar nicht erfolgreich war. Für mich und den Großteil vom Komitee war der Streik nämlich schon ein Erfolg, weil wir es geschafft haben, diesen Streik überhaupt an unserer Schule auf die Beine zu stellen, weil wir sehen konnten, dass es an unserer Schule (bei der ich bis dahin dachte, dass es kein Potential für irgendwas gibt) Raum und Bedarf nach politischer Diskussion und Aktion gab und wir Teil davon waren, das zu organisieren!
Sylvi aus Wien