Leserbriefe – Funke Nr. 246


Passiert etwas auf deiner Schule, deiner Uni, deinem Arbeitsplatz? Hast du einen Kommentar zu einem unserer Artikel? Dann schick uns einen Leserbrief an post@derfunke.at!
Ich bin ein 13-Jähriger Schüler sowie Mitglied bei der RKP in Vorarlberg.
Seit etwa 2 Jahren besuche ich regelmäßig das amazoneZENTRUM, welches ein sich in Bregenz befindendes Jugendzentrum für ausschließlich Mädchen, Junge Frauen, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren ist. Das amazoneZENTEUM ist auf die staatliche Finanzierung angewiesen, die Summen werden aber immer niedriger. Inzwischen wurden in etwa 60.000€ gestrichen, wodurch beispielsweise die moktailbaar, welche ein Suchtpräventions Programm ist und an der früher 5 mal im Monat jeweils verschiedene Jugendliche Personen alkoholfreie Cocktails shaken konnten nur noch an besonderen Anlässen in Gebrauch genommen wird. Oder die Schulschlussübernachtung, die nun gestrichen wurde. Auch die Mädchen* impulstage dauern nun nur noch ein anstatt zwei Tage an, und so weiter.
Abgesehen von einer bereits geschehenen Preiserhöhung der Snacks, Getränke etc. musste die Leitung des Vereines in etwa fünf der Öffnungstunden pro Monat Streichen. Das Amazone Zentrum ist ein wichtiger Safeplace für sehr viele der Besucher*innen. Es wäre fahrlässig einen so wichtigen Raum für junge Menschen noch weiter einzuschränken.
Milan, Bregenz
Während Palästina immer weniger in den Medien Platz findet, spitzt sich die Unterdrückung besonders im Westjordanland immer mehr zu. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 6.100 neue Wohnungen in israelischen Siedlungen vorangetrieben – ein neuer Rekord. Seit Januar landeten ca. 370 Hektar palästinensisches Land in der Hand von Siedlern, und sechs der im Dezember 2025 angekündigten Siedlungen sind bereits offiziell anerkannt. Seit 2023 sind 185 neue Außenposten entstanden, die alle nachträglich legalisiert wurden.
Alleine 2025 verübten israelische Sicherheitskräfte und Siedler 23.827 gemeldete Angriffe gegen Palästinenser. In Kusra z.B. belagerten radikale Siedler Anfang August mehrere Häuser und schnitten den Familien den Lebensunterhalt ab. Am 29. August stürmten dann maskierte Siedler ein bewohntes Haus, verletzten dort die Bewohner und legten Felder in Brand – die Armee griff nicht ein. In Sarra randalierten im Juli rund 200 Siedler, nachdem bei einer zuvor stattgefundenen Siedlerattacke in Tal nicht nur 4 Palästinenser, sondern auch 2 Siedler getötet wurden. Die Randalierer zündeten dutzende Autos und Häuser an und rissen mit Bulldozern etwa 10.000 Olivenbäume heraus. 2026 wurden so insgesamt 172 Palästinenser umgebracht und 56 Haushalte vertrieben – laut UN „mögliche Kriegsverbrechen“. Das ist eine Untertreibung, es ist eher die systematische Absicht, das Westjordanland ethnisch zu säubern.
Israel kontrolliert faktisch 41 Prozent des Westjordanlandes. Das ist die konsequente Umsetzung kapitalistischer Logik: Land- und Ressourcenraub, Erschließung neuer Märkte für israelisches Kapital, Aufpeitschen des Chauvinismus. Die Gewalt ist kein Ausrutscher, sondern ein durchdachtes System, das nur durch eine sozialistische Revolution gestürzt kann.
Zenon, Wien
Die Frage stellten wir uns an einem Montagnachmittag am Yppenplatz. Zu zweit nutzten wir die Stunde vor unserem Ortgruppentreffen in Ottakring, um mit den Leuten in der Umgebung ins Gespräch zu kommen. Die Cafés waren gut besucht, also klapperten wir die Sitzplätze draußen ab.
„Rassismus, Einsparungen und Aufrüstung – wir Kommunisten haben zu der Krise ein Programm.“ So sprachen wir die Leute an. Und auf die Frage, ob sie Interesse hätten, dieses in unserer Zeitung nachzulesen, bekamen wir positive Rückmeldungen. „Danke für eure Arbeit! Wir wünschen euch viel Erfolg! Wir brauchen mehr linke Zeitungen in Zeiten wie diesen.“
Man konnte merken, wie die Leute links und rechts an den Tischen ihre Ohren spitzten und bei Gesprächen mitlauschten. Einer zückte sogar einen Fünfer, bevor wir ihn ansprechen konnten. 45 Minuten, 2 Interessierte an einem Beitritt bei der RKP, 1 verkauftes RKI-Manifest und 9 Ausgaben der letzten Funke-Zeitung später gingen wir wie vom Blitz getroffen zu unserem OG-Treffen.
Unsere Erfahrungen am Yppenplatz zeigen: Unsere Positionen stoßen auf offene Ohren. Die Menschen wollen Antworten. Unsere Aufgabe als Kommunisten ist es, sie ihnen zu geben.
Hanna, Wien
Geboren 1946 in Nashville, Tennessee, als Viertes von 12 Kindern wuchs Dolly Parton in bäuerlich-proletarischen Verhältnissen auf: der Vater, ein Analphabet, war Pächter und besserte das Einkommen mit Arbeit im Baugewerbe auf. Parton sagte, ihre Familie sei „bitterarm“ gewesen. Ihr Vater bezahlte den Missionsarzt Dr. Robert F. Thomas, der sie zur Welt gebracht hatte, mit einem Sack Maismehl. Ähnlich wie viele aus ihrer Klasse in Europa und Nordamerika profitierte Parton vom Nachkriegsaufschwung und wurde eine der berühmtesten Country-Sängerinnen der Musikgeschichte. Sie gilt als Ikone ihres Genres.
Letztlich waren es gerade ihre Lieder, die das Arbeiterleben („9 to 5“) oder Armut („Coat of Many Colors“), die ihr Erfolg brachten. Ersteres diente auch als Vorlage für einen Film und ein Musical, in dem drei taffe Frauen ihren tyrannischen und misogynen Chef loswerden. Bemerkenswert ist auch, dass sich Dolly, obwohl aus dem konservativen Bible Belt stammend, für gleichgeschlechtliche Ehe stark machte, was ihr Morddrohungen einbrachte. Bis an ihr Lebensende war sie Philanthropin. Sie blieb trotz Erfolg und Reichtum bis an ihr Lebensende der Arbeiterklasse verbunden.
Wir teilen ihre reformistischen Hoffnungen in die Philanthropie, oder wie sie durch den Film „9 to 5“ sichtbar werden, nicht. Man kann einen Chef nicht einfach loswerden und hoffen, dass sich alles fügt. Wir brauchen die vollständige Abschaffung des Kapitalismus, damit nicht nur ein armes Arbeiterkind Sängerin und Ikone werden kann wie unsere Kollegin Dolly, sondern sich die gesamte Arbeiterklasse künstlerisch und menschlich entfalten kann. In diesem Sinne endet mit Dolly Parton nicht nur eine Country-Ikone, sondern auch eine der letzten großen Künstlerinnen aus der Periode des Nachkriegsbooms, der mittlerweile längst Geschichte ist.
Martin, Wien
(Funke Nr. 246/03.09.2026)