Streikwelle in Spanien


Im Mai streikten 80.000 katalanische Lehrkräfte, nachdem die beiden großen Gewerkschaften CCOO und UGT im März eine unzureichende Vereinbarung mit dem Bildungsministerium getroffen hatten. Die Basisbewegung weitet sich aus. Von Oscar Jenner
Den fortschrittlichsten Ausdruck gab es in Valencià, wo mittels Vollversammlungen an jeder Schule eine besonders hohe Beteiligung der Lehrkräfte erzielt wurde. Darüber hinaus wurden Streikfonds selbst organisiert und Streikposten organisiert, um schwankende Kollegen in die Streikfront einzubinden. Die Mobilisierung wurde durch die Sommerferien unterbrochen. Doch zuvor entschied sich eine von den Schulen beschickte Vollversammlung aus 1000 Lehrkräften in Madrid dazu, einen unbefristeten Streik ab dem 14. Oktober vorzubereiten. Dies hat das Potential eines heißen Herbstes im ganzen Bildungssektor und darüber hinaus. Es sind insbesondere junge Lehrkräfte, die den Klassenkampf vorantreiben und unter den Hammerschlägen der Krise einen ernsthaften Kampf anstreben.
Ein ähnlicher Prozess vollzog sich bei Airbus. Lange galt der Luftfahrt-Konzern als bester Arbeitgeber der Metallerbranche. Diese Bedingungen werden jetzt angegriffen. Dabei verzeichnet der Konzern Rekordprofite (im letzten Jahr: 5 Mrd. €) und profitiert zusätzlich von den zahlreichen staatlichen Subventionen sowie den Aufträgen der EU-Militarisierung.
Die Verhandlungen zwischen der Mehrheitsgewerkschaft CCOO und Airbus im Frühjahr kamen nicht vom Fleck. Ausgehend vom größten Airbus-Werk in Madrid streikten im Juli 3500 Arbeiter. Die Bosse sind seitdem sichtlich unter Druck: In den französischen Werken herrscht ähnliche Unzufriedenheit und im Juni kam es in Toulouse ebenfalls zu Arbeitskämpfen. Für die streikenden Arbeiter in Spanien machte der Airbus-CEO Faury ein Video, in dem er die scharfe Beobachtung aufstellte, dass der Streik ein „starker Ausdruck von Unzufriedenheit“ sei. Der Airbus-Vorstand ist offensichtlich besorgt, dass sich ein internationaler Airbus-Streik entwickelt.
Den Gewerkschaften wurde die Mobilisierung nun zu heiß: Ein Abschluss wurde hinter dem Rücken der Beschäftigten getroffen und der Streik für beendet erklärt (+8,75% Lohn über zwei Jahre bei 18% Inflation in den letzten Jahren). Auch die radikalere Gewerkschaft SIPA war an diesem Pakt beteiligt, obwohl sie anfangs für den Streik mobilisierte. Die nächste Vollversammlung schmetterte den Abschluss ab und setzte einen neuen, unbefristeten Streik ab dem 25.8. an. Nun ist dieser in vollem Gange und die Regierung droht, in den Konflikt einzugreifen.
Die Vollversammlungen der Streikenden als zentrale Führung, die praktische Ablehnung der Stellvertreterpolitik der Gewerkschaftsführungen, die bewusste Betonung und Herstellung der Einheit zwischen Arbeitern und Angestellten sind wertvolle Lehren für die heutige Arbeiterbewegung. Anders kann man nicht erfolgreich umgehen mit den Bossen und mit den Gewerkschaftsspitzen, die ständig nach einem faulen Kompromiss mit ihnen suchen.
Bereits vergangenes Jahr entfalteten sich unter den gleichen Vorzeichen stürmische Kämpfe der prekären Metallarbeiter in Cádiz und den Arbeitern in den Schiffswerften von Cartagena. Jetzt sehen wir eine Fortsetzung davon – im ganzen Land und in großen Sektoren. Wie Europa in den letzten Monaten eindrücklich lernte – ein kleines Feuer kann unter den aktuellen Bedingungen ein Lauffeuer entfachen. Die Arbeiterklasse Spaniens hat starke Traditionen, und eine neue Generation macht jetzt wichtige Kampferfahrungen. Allen Erfolg den Streikenden, möge ihr Funke auf den ganzen Kontinent überspringen!
(Funke Nr. 246)