Brecht: „So, wie es ist, bleibt es nicht“


Am 14. August jährt sich zum 70. Mal der Tod des Dramatikers Bertolt Brecht (geb. 1898 in Augsburg). Brecht hinterlässt ein revolutionäres Werk, er war seit seiner Jugend Kommunist und beschäftigte sich mit Krieg, Moral, Wissenschaft und den herrschenden Verhältnissen seiner Zeit. Wer Brecht noch nicht kennt, sollte ihn lesen. Von Mio Purgathofer
Seine Methode ist die Darstellung der Realität in einer entfremdeten Weise, um die Widersprüche der Gesellschaft an die Oberfläche zu bringen. Brecht revolutionierte das Theater dafür auch in seiner Form: Ansprachen an das Publikum, keine Vorhänge etc. Sein größter Erfolg ist die Dreigroschenoper (1928), eine Parodie auf die bürgerliche Gesellschaft, gespickt mit populären Songs. Er prägte das sogenannte epische Theater, das nicht zur seichten Unterhaltung dient, sondern zum Hinterfragen anregt.
Brechts Arbeit begann mit 15, als er eine Schülerzeitung herausgab. Nach Beginn des Krieges 1914 schrieb er zuerst patriotische Texte, die Augsburger Kriegsbriefe, bis er vollständig mit dem Kapitalismus brach und für einen Aufsatz gegen die Vaterlandsverteidigung fast von der Schule flog. In dieser Zeit studierte Brecht den Marxismus.
Sein erstes Theaterstück, Baal (1918) ist ein Ausdruck von Brechts Abscheu für die herrschenden Verhältnisse. Die Legende vom toten Soldaten (1917) ist ein Antikriegslied, das an Aktualität nichts verloren hat und fand später seinen Platz in Trommeln der Nacht, ein Stück, das die deutsche Revolution 1917/18 behandelt. 1933 musste Brecht ins Exil gehen. Aus dieser Zeit stammen einige seiner berühmtesten Werke: Mutter Courage und ihre Kinder (1939), ein Stück über Krieg und Moral. Das Leben des Galilei (1938/39), über den revolutionären Kampf zwischen Wissenschaft und Mystik.
Brecht arbeitete eng mit einer Vielzahl von Theaterleuten und Schauspielerinnen zusammen, unter andrem dem Komponisten Hanns Eisler. Die beiden schufen propagandistische Stücke wie das Lied vom Klassenfeind, das Solidaritätslied oder die Vier Wiegenlieder einer proletarischen Mutter. In der McCarthy-Ära, in der Kommunisten politisch verfolgt wurden, zog Brecht 1948 zurück nach Deutschland, nach Ost-Berlin, wo er das Berliner Ensemble gründete.
Brechts Beziehung zur DDR-Führung war ambivalent. Er war nicht bereit, sich vollständig den engen formalen Vorgaben des stalinistischen Realismus zu unterwerfen. Gleichzeitig genoss er mehr künstlerische Freiheit als andere, weil die DDR-Führung ihn vor allem nach außen für sich vereinnahmen konnte. Der von der SED unterdrückte Arbeiteraufstand in Ost-Berlin 1953 demoralisierte Brecht. Er kritisierte die SED-Führung u.a. in seinem ironischen Gedicht Die Lösung (1953), letztendlich wurde sein Widerstand jedoch gebrochen und er wurde 1954 in den künstlerischen Beirat des neuen Kulturministeriums der DDR aufgenommen.
Brechts Werk ist auch heute eine Inspiration für unsere Generation, die erneut vor der gewaltigen Aufgabe steht, die Gesellschaft auf den Kopf zu stellen.
Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.
Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.
Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!
Bertolt Brecht, 1934
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(Funke Nr. 245/08.07.2026)