S11 Neuerscheinungen: Der Rote Faden & IVDM 18: Die permanente Revolution


Ted Grant (1913–2006) ist das Bindeglied zwischen unserer Generation und der revolutionären Bewegung des 20. Jahrhunderts. Inspiriert von der Russischen Revolution reichte sein Wirken von der Zeit der Linken Opposition gegen den Stalinismus in den 1930ern über den Zweiten Weltkrieg, die Revolutionen der Nachkriegszeit, die Jahre des Wirtschaftsaufschwungs und der kolonialen Befreiungsbewegungen bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion und darüber hinaus.
In dieser ganzen Zeit verkörperte er wie kein Zweiter die Ideen des unverfälschten Marxismus, das Erbe von Marx, Engels, Lenin und Trotzki und die Anwendung und Weiterentwicklung ihrer Theorien in einer neuen Weltsituation. Die brennendsten Fragen der Arbeiterbewegung – zum Beispiel: Was ist die Aufgabe der Kommunisten im Krieg? Welche Perspektiven eröffnet die Nachkriegszeit? Was ist das Wesen der Chinesischen Revolution? Welche Rolle spielen die stalinistischen Regime in Osteuropa? – wurden von ihm am schärfsten gefasst und richtig beantwortet. Dabei lieferte er wichtige Beiträge zum Charakter der Revolutionen in der kolonialen Welt und entwickelte das marxistische Theoriegebäude in der Staatsfrage weiter.
Ted Grant rettete die Ideen des Marxismus über eine Zeit hinweg, in der der Kapitalismus felsenfest erschien und sich große Teile der Bewegung dem Stalinismus, der Sozialdemokratie oder anderen politischen Sackgassen zuwandten. Das war nur auf der Grundlage richtiger Perspektiven und Ideen – auf Grundlage der marxistischen Methode – möglich. Mit seinen Analysen der Nachkriegsordnung – der Ordnung, die sich vor unseren Augen in Luft auflöst – können wir verstehen, welche Epoche hier gerade zu Ende geht, die richtigen Schlüsse für heute ziehen und uns theoretisch und methodisch für die kommende Revolution vorbereiten. Revolutionäre müssen den roten Faden aufnehmen und sich dieses reiche Erbe aneignen.
Ausgabe 18 von In Verteidigung des Marxismus kommt! Dieses Mal steht die Theorie der Permanenten Revolution im Mittelpunkt – einer der bedeutendsten und zugleich am häufigsten missverstandenen und verfälschten Beiträge zur marxistischen Theorie. Nein, es geht nicht darum, dass die Revolution auf der ganzen Welt gleichzeitig stattfinden muss, oder dass die Revolution mit Waffengewalt „exportiert“ und anderen Ländern von außen aufgezwungen werden soll.
In Wirklichkeit geht es um den Charakter der Revolution in den Ländern, die nicht zum kapitalistischen Zentrum gehören, und welche Klasse dort welche Rolle spielen kann. Es geht darum, dass die Arbeiterklasse ihre politische Unabhängigkeit bewahren muss, um an der Spitze der unterdrückten Massen selber die Macht übernehmen zu können, wie in der Russischen Revolution von 1917. Die Gegner der Permanenten Revolution – die Anhänger des Stalinismus – vertreten hingegen das Konzept der „Volksfront“, in dem sich das Proletariat der Bourgeoisie unterordnen soll, und führten so eine Revolution nach der anderen in die Niederlage und die Arbeiter auf die Schlachtbank.
Zuerst benutzt von Marx im Jahr 1850, wird die Permanente Revolution heute mit dem Namen Leo Trotzki verbunden. Das Editorial klärt daher zuerst die Frage, was der „Trotzkismus“ eigentlich ist – die von Leo Trotzki verteidigten Ideen und Methoden des unverfälschten Marxismus. Im Schwerpunktartikel wird genau nachgezeichnet, wie die Erfahrungen der 1905er Revolution das Denken Trotzkis prägte und die praktische Grundlage für die Entwicklung der Theorie der Permanenten Revolution legte.
In einem weiteren Artikel wird die Frage der Permanenten Revolution anhand der weitgehend unbekannten Geschichte des Trotzkismus in China und dem Gang der Chinesischen Revolutionen (von 1925-1927 und von 1949) beleuchtet und vertieft. Wir bringen auch einen Artikel von Ted Grant aus dem Jahr 1949, indem er bereits vor dem Sieg Maos den weiteren Verlauf der Revolution, die Machtübernahme der Stalinisten und die Abschaffung des Kapitalismus in China voraussagte. Den Abschluss macht eine Rezension zu Leonardo Paduras Buch „Der Mann, der Hunde liebte“, in dem es nicht um Hunde geht, sondern um Leben und Tod von Trotzki und seinem Mörder Ramón Mercader.
Die Theorie der Permanenten Revolution ist heute brandaktuell. Sie ist der Schlüssel für die Aufgaben der ständig ausbrechenden Revolutionen und Befreiungskämpfen gegen den Imperialismus auf der ganzen Welt. Diese Ausgabe eignet sich also perfekt für das Verständnis der heutigen Weltsituation und zur Beantwortung der stalinistischen Lügen gegen die Ideen von Leo Trotzki.
(Funke Nr. 240)