Kaschmirs Schicksalsfrage


Die Lage im pakistanisch besetzten Kaschmir steht auf Messers Schneide. Die Massenbewegung, die sich in den letzten drei Jahren aufgebaut und inzwischen revolutionäre Ausmaße angenommen hat, ist in Aktion getreten. Mit ihrem Anwachsen haben sich auch ihre Forderungen ausgeweitet. Durch ihre Aktionen hat sie den Behörden in Kaschmir und der pakistanischen Regierung offen den Kampf angesagt. Von Rob Sewell, 18.08.2026.
Ursprünglich konzentrierten sich die Forderungen auf die Wiederherstellung von Subventionen für Weizen und Strom. Inzwischen sind jedoch weitere soziale Fragen hinzugekommen, darunter der Anspruch auf Arbeitsplätze und demokratische Rechte. Da die Jugendarbeitslosigkeit doppelt so hoch ist wie im Landesdurchschnitt, stehen junge Menschen an vorderster Front des Kampfes – gemeinsam mit den Frauen, die zu den entschlossensten Kämpferinnen gehören.
Die Zentralregierung hat ihrerseits deutlich gemacht, dass sie beabsichtigt, die Bewegung im Blut zu ersticken und die ganze Gewalt des Staatsapparats gegen die Demonstranten einzusetzen. Bei Zusammenstößen wurden inzwischen mehr als 100 Menschen getötet – die höchste Zahl an Todesopfern seit Jahrzehnten.
Die herrschende Klasse versteht sehr wohl, dass die Massenerhebung im sogenannten „Azad“-, also „freien“, Kaschmir eine Fortsetzung jener revolutionären Massenunruhen darstellt, die in den vergangenen zwei Jahren Bangladesch, Sri Lanka und Nepal erschüttert haben. Solche revolutionären Massenausbrüche rauben ihr den Schlaf.
Anfang Juni dieses Jahres flammte die Bewegung in Kaschmir erneut auf. Massenproteste, Demonstrationen und Streiks legten die gesamte Region lahm. Demonstranten errichteten Straßensperren, um die Entsendung bewaffneter Verstärkung durch die Regierung zu verhindern. Darin zeigen sich bereits Elemente einer Doppelherrschaft.
„Pakistans Regierung steht vor einer ernsthaften Bewährungsprobe ihrer Autorität“, schrieb kürzlich die Financial Times. Angeführt wird die Massenbewegung vom Joint Awami Action Committee (JAAC), das vom pakistanischen Staat als „terroristische Organisation“ eingestuft wurde; er reagierte mit Repressionen und der Verhaftung zahlreicher Aktivisten – ein Versuch, die wachsenden Unruhen zu unterdrücken.
Der Staatsapparat hat die Repression gegen die Demonstrierenden immer weiter verschärft, in dem verzweifelten Versuch, die Lage unter Kontrolle zu halten. Polizei und paramilitärische Rangers gingen immer brutaler vor und schossen wahllos in Menschenmengen unbewaffneter Demonstranten. Zahlreiche Menschen wurden getötet, Tausende verletzt.
Die Behörden kappten Internet- und Telefonverbindungen, um die Proteste zu isolieren. Doch auch damit gelang es ihnen nicht, die Bewegung niederzuschlagen. Als Reaktion darauf gewann der von der Führung des JAAC angekündigte Lange Marsch auf die Regionalhauptstadt Muzaffarabad aus verschiedenen Städten und Gebieten immer mehr Zulauf. Ziel war zunächst, sich vor Rawalakot zu sammeln, das als Ausgangspunkt für den Marsch auf die Hauptstadt selbst dienen sollte. Zehntausende kamen zusammen. Der nächste Schritt wäre der Einzug in Rawalakot gewesen, doch die Zufahrtswege wurden von den dort stationierten Sicherheitskräften blockiert.
Angesichts des bereits vergossenen Blutes und der Präsenz staatlicher Sicherheitskräfte herrschten große Unsicherheit und langes Zögern, was den Einmarsch in Rawalakot betraf. Besonders deutlich war diese Zurückhaltung bei der Führung. Doch der wachsende Druck von unten – vor allem von den kämpferischen Frauen – zwang sie schließlich dazu, zum Marsch in die Stadt aufzurufen. Beim Einzug errichteten die Demonstranten dort einen Stützpunkt des Widerstands, um die Sicherheitskräfte zurückzudrängen.
Die Rangers waren jedoch entschlossen, ihre Positionen mit Gewalt zu halten. Sie töteten und verletzten wahllos eine Reihe von Demonstranten. Auch aus anderen Städten und Gebieten Kaschmirs setzten sich Menschen in Bewegung, wurden jedoch ebenfalls von Polizei und staatlichen Sicherheitskräften angegriffen.
Awami-Aktionskomitees
Die ersten Awami-Aktionskomitees entstanden auf Initiative unserer pakistanischen Genossinnen und Genossen von der Inqalabi Communist Party (RCP). Die Initiative und der Aufruf der Marxisten entsprachen genau dem Bedürfnis der Bewegung nach einer organisatorischen Form. Deshalb breiteten sich die Komitees weit über jene Städte und Dörfer hinaus aus, in denen die Marxisten selbst vertreten waren. Im Herbst 2023 schlossen sie sich schließlich zum Joint Awami Action Committee zusammen.
Zwei Jahre später, Ende 2025, legte es mit einer Streikkampagne die Region lahm. Grundlage war ein Katalog von 38 Forderungen. Unter dem Druck der Bewegung gerieten die Behörden in Panik, akzeptierten die wichtigsten Forderungen und versprachen, innerhalb von sechs Monaten auf sämtliche Punkte einzugehen.
Offensichtlich handelte es sich dabei um ein Manöver, um die Massenbewegung zu zerstreuen und die Kontrolle wiederzuerlangen – nicht zuletzt, um sich umso besser auf künftige Zusammenstöße vorbereiten zu können.
Gerade dieser Verrat der Behörden, die sich weigerten, auch nur eine der vereinbarten Forderungen umzusetzen, führte zur heutigen Situation.
Daraufhin kündigte das JAAC eine Reihe von Demonstrationszügen an, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die unterdrückten Massen griffen diesen Mobilisierungsaufruf mit großer Entschlossenheit auf und bewiesen dabei einen beeindruckenden Mut. Auch unsere Genossen der RCP erfüllten ihre Aufgabe, indem sie in jeder Phase erklärten, wie der Kampf weitergeführt werden muss.
Obwohl wir die Gründung der Komitees angestoßen hatten, waren wir aufgrund unserer geringen Kräfte leider nicht in der Lage, die Bewegung anzuführen. Im Aktionskomitee von Rawalakot konnten wir jedoch einen wachsenden Einfluss gewinnen. Aber die Natur duldet, wie wir wissen, kein Vakuum.
So fiel die Führung des JAAC nicht in die Hände entschlossener Revolutionäre, sondern zufälliger Elemente: Anwälte, Händler und andere kleinbürgerliche Elemente. Diese verfügten leider über keinerlei klare Perspektive für die Bewegung. Als unsere Genossen anfangs politische Fragen aufwarfen, erklärten ihnen diese Führer, sie sollten keinen Ärger machen. Politik müsse aus der Bewegung herausgehalten werden, um „ihre Einheit zu bewahren“.
Solche Argumente sind uns von solchen Leuten nur allzu vertraut. Der Ruf nach „Einheit“ dient ihnen als Vorwand, der Bewegung den Mund zu verbieten und jede Diskussion abzuwürgen. Vor allem soll damit verhindert werden, dass revolutionäre Ideen Gehör finden, denn diese betrachten sie als Bedrohung ihrer eigenen Autorität. Doch unsere Genossen, die von Anfang an am Aufbau dieser Bewegung beteiligt waren, lassen sich nicht zum Schweigen bringen.
Sie vertraten deshalb die Position, dass sich die Aktionskomitees nicht darauf beschränken dürfen, den Behörden Zugeständnisse abzuringen – zumal diese ihre Versprechen ohnehin stets brechen. Der einzige wirkliche Ausweg besteht darin, dass die Massen selbst die Macht übernehmen.
Die Lage der Massen in „Azad“-Kaschmir ist verzweifelt. Die Wirtschaft der Region stützt sich vor allem auf Landwirtschaft, Gartenbau, Tourismus und traditionelles Handwerk; sie gehört zu den ärmsten Regionen Pakistans. Ein industrielles Proletariat existiert praktisch nicht. Dennoch empfinden die unterdrückten Massen die Entbehrungen, denen sie ausgesetzt sind, mit brennender Schärfe. Sie suchen deshalb nach einem Ausweg – koste es, was es wolle.
Die Arbeiter, die es in der Region gibt, konzentrieren sich vor allem in der Wasserkraftwirtschaft und dem öffentlichen Sektor, insbesondere dem Bildungs- und Gesundheitswesen. „Azad“ Jammu und Kaschmir produziert derzeit rund 2.300 Megawatt Strom, vor allem über das Mangla Dam Raising-Projekt und das Wasserkraftwerk Neelum-Jhelum. Mehrere große öffentliche und private Projekte befinden sich im Bau, größtenteils finanziert durch chinesische Kredite, und sollen die Produktion weiter steigern. Der in der Region erzeugte Strom wird anschließend in das pakistanische Verbundnetz eingespeist, während der lokale Verbrauch lediglich rund 400 Megawatt beträgt. Dass der größte Teil der in Kaschmir produzierten Elektrizität nach Pakistan fließt, hat die Wasserkraft zu einem zentralen Streitpunkt bei den Auseinandersetzungen über regionale Strompreise gemacht.
Lenin setzte sich auf dem Zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale 1920 mit der Frage auseinander, wie Kommunisten unter solchen Bedingungen vorgehen müssen. In seinen Ausführungen zur nationalen und kolonialen Frage erklärte er, dass Kommunisten in kolonialen und ehemals kolonialen Ländern im revolutionären Kampf direkte Verbindungen zu den unterdrückten Schichten herstellen müssen. Ihre Aufgabe besteht darin, „Propaganda für Bauernräte oder Räte der Werktätigen“ zu betreiben.
Nachdem solche Aktionskomitees erfolgreich aufgebaut worden sind, besteht der nächste Schritt darin, sie mit einem Programm auszustatten, das einen Weg nach vorn weist: beginnend bei den grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Forderungen, um diese dann mit der Frage der Macht zu verbinden. Es ist für jeden offensichtlich, dass sich die Massenbewegung in Kaschmir inzwischen in eine revolutionäre Bewegung verwandelt hat, die weit über ihre ursprünglichen Forderungen hinausgeht. Mit jedem Tag spüren die Massen stärker ihre Macht.
Auch hier war es Lenin, der 1905 den neu entstandenen Sowjet der Arbeiterdeputierten als die wirkliche Autorität im Land erkannte und ihn dazu aufrief, als legitime „revolutionäre provisorische Regierung“ die Macht zu übernehmen. Und das, obwohl sich die Bolschewiki damals in der Minderheit befanden. Tatsächlich hatten sie gegenüber dem Petersburger Sowjet zunächst eine sektiererische Haltung eingenommen, die Lenin korrigieren musste. Trotzki, der zum Vorsitzenden des Sowjets gewählt wurde, gelangte zur selben Schlussfolgerung wie Lenin.
Aus Angst vor dem heißen Atem der Bewegung verleumdeten die pakistanischen Behörden das JAAC als „terroristische Organisation“ und beschuldigten es fälschlicherweise, von Indien finanziert zu werden. Die Organisation wurde verboten, zahlreiche führende Mitglieder und Aktivisten wurden verhaftet. Doch dadurch wurde die Bewegung nur noch entschlossener und wuchs weiter an.
Das Regime fürchtet, dass die Instabilität in Kaschmir auf andere Regionen übergreifen könnte. Tatsächlich ist Kaschmir in vieler Hinsicht ein Mikrokosmos Pakistans selbst, das von wachsender Instabilität und zunehmender Wut in vielen Teilen des Landes geprägt ist – vom Punjab bis nach Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa. Die Mehrheit der Bevölkerung leidet unter extremer Armut und Hunger, die sich mit dem Zerfall der Wirtschaft unter dem Druck des Iran-Krieges und der Diktate des IWF weiter verschärfen.
Die pakistanische Regierung ist in den Augen der Massen zunehmend diskreditiert, das ganze Land gleicht einem Pulverfass. Um der Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, setzte die pakistanische Regierung gestaffelte Wahlen zur Gesetzgebenden Versammlung von „Azad“-Kaschmir an. Doch die Massen Kaschmirs durchschauten, dass diese Wahlen durch die sogenannten „reservierten Sitze“ offensichtlich manipuliert waren, um eine Regierung nach dem Willen Islamabads zu garantieren.
Unter solchen Bedingungen sind Wahlen eine Farce. Zu Recht wurden sie von den Massen boykottiert. Sämtliche alten, korrupten politischen Parteien nahmen daran teil, in der Hoffnung, sich ihren Anteil an den Pfründen des Amtes zu sichern. Doch dadurch verloren sie in den Augen der Massen nur noch mehr an Legitimität. Obwohl die Wahllokale aufgrund des Boykotts nahezu leer blieben, wurden Sieger mit Zehntausenden erfundenen „Stimmen“ verkündet.
Wie zu erwarten war, setzen die pakistanischen Behörden jedoch nicht nur auf die Peitsche, sondern auch auf Zuckerbrot. Hinter den Kulissen führen sie Gespräche mit Führern des JAAC, um das Aktionskomitee zu spalten und eine Art Vereinbarung zustande zu bringen. Anwälte und NGO-Aktivisten versuchen, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Vor dem jüngsten Blutvergießen am 28. Juli war der JAAC-Führer Umar Nazir Kashmiri an diesen Verhandlungen beteiligt. Die staatliche Repression hat sie jedoch vorerst unterbrochen.
Die Führer des Aktionskomitees haben bei jedem Schritt gezögert und gebremst und sind stets nur unter dem Druck der Massenbewegung weitergetrieben worden. Es ist offensichtlich, dass die gegenwärtige Führung die Krise gern durch einen friedlichen Kompromiss lösen würde. Sie gleicht einem Mann, der verzweifelt von einem hungrigen Tiger absteigen möchte, ohne dabei gefressen zu werden. Doch die Bewegung steht an einem Scheideweg. Die Massen sind aufgerüttelt und zum Kampf bereit. Jeder Rückzug würde als Zeichen der Schwäche verstanden und Schwäche wiederum lädt zu Aggression ein.
Unsere Genossen haben konsequent dafür argumentiert, dass der Lange Marsch darauf abzielen muss, die Hauptstadt einzunehmen, die alte korrupte Verwaltung hinwegzufegen und eine revolutionäre Volksregierung zu errichten. Das entspricht offensichtlich dem überwältigenden Wunsch der Massen. Doch damit würde nicht nur die Regionalregierung herausgefordert, sondern der pakistanische Staat selbst. Und das ist natürlich ein äußerst ernster Schritt.
Von kurzen Unterbrechungen abgesehen, wurde Pakistan stets vom Militär beherrscht. Die führenden Generäle werden sich darüber beraten, wie sie vorgehen sollen. Sie werden zu dem Schluss kommen, dass ihnen nichts anderes bleibt, als den Massen eine Lektion zu erteilen und die Bewegung im Blut zu ersticken. Das war immer ihre Methode.
Die Schüsse von Polizei und Rangers auf Demonstrierende sind nur ein Vorgeschmack. Sie zeigen, wie weit der Staat bereit ist zu gehen, um die Bewegung niederzuschlagen. Doch die Massen sind in Bewegung. Sie zeigen keine Angst, sie haben sich den Sicherheitskräften mutig entgegengestellt.
Unter diesen Umständen darf die Führung nicht versuchen, den pakistanischen Behörden einzureden, sie vertrete eine „friedliche Bewegung“ – eine Behauptung, die Islamabad ohnehin beiseitewischt. Stattdessen muss sie bereit sein, Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen.
Wie in jeder großen revolutionären Bewegung ist angesichts staatlicher Gewalt Selbstverteidigung notwendig. Das bedeutet, sich mit allen verfügbaren Mitteln Waffen zu beschaffen. Geschehe das, würden Polizei und Rangers sehr bald die Flucht ergreifen. Mutig sind sie, solange sie auf unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder schießen können – weit weniger mutig jedoch, wenn sie auf bewaffneten Widerstand stoßen.
Der Kampf um die Macht ist selbstverständlich eine äußerst ernste Frage. Leider scheint der Führung des JAAC der notwendige Wille zu fehlen. Verglichen mit dem Radikalismus der Massen ist sie zaghaft und besitzt keinerlei wirkliche Perspektive einer Machtübernahme. Doch die Übernahme der Macht ist der einzige Weg zum Erfolg.
Wenn wir die Dinge beim Namen nennen, fehlt in dieser Situation vor allem eines: eine revolutionäre Führung und eine revolutionäre Partei. Dasselbe galt für Bangladesch, Sri Lanka und Nepal. Dort waren die revolutionären Massen in Bewegung, doch ihre Führungen waren nur allzu bereit, Kompromisse einzugehen. Genau das führte schließlich zu ihrer Niederlage.
Die Energie der Massen wurde unnötig zerstreut und vergeudet. Die Macht lag buchstäblich in ihren Händen. Die repressiven Kräfte des Staates waren hinweggefegt. Doch die Führungen suchten den Kompromiss und gaben sich mit einem bloßen Personalwechsel an der Spitze zufrieden. Die Gelegenheit wurde vertan, und damit ging auch die Möglichkeit verloren, die Macht zu übernehmen. Darin liegt eine entscheidende Lehre für Kaschmir.
Bei einer solchen Massenbewegung kommt es nicht infrage, wie die Sektierer an der Seitenlinie zu stehen. Unsere Genossinnen und Genossen erfüllen ihre Pflicht. In jeder Phase besteht ihre Aufgabe darin, die Wahrheit auszusprechen und klar zu erklären, wie der Weg nach vorn aussieht – und genau das tun sie. In Kaschmir ist die brennende nationale Frage untrennbar mit der sozialen Frage verbunden. Nationale Befreiung kann es ohne soziale Befreiung nicht geben. Ebenso wenig kann nationale Emanzipation erreicht werden, solange die herrschenden Eliten in Islamabad und Delhi an der Macht bleiben.
Eine Machtübernahme durch die Massen in Kaschmir würde ohne Zweifel eine Intervention der pakistanischen und der indischen Armee hervorrufen, um die revolutionäre Bewegung zu zerschlagen. Darüber machen wir uns keinerlei Illusionen. Dem könnte nur begegnet werden, indem man einen Klassenappell an die einfachen Soldaten richtet. Viele von ihnen sind selbst Kaschmiris und wären für revolutionäre Agitation empfänglich.
Die Imperialisten entsandten 21 ausländische Interventionsarmeen, um die Revolution der Bolschewiki niederzuschlagen. Trotz ihrer militärischen Überlegenheit wurden sie durch die Klassenappelle der Sowjetregierung an die Soldaten und durch die Solidarität der Arbeiter im Westen geschlagen.
Die Revolution in Kaschmir braucht eine internationalistische Perspektive. Nach einer Machtübernahme müsste ein Aufruf an die arbeitenden Massen Pakistans ergehen, diesem Beispiel zu folgen und dem Elend von Großgrundbesitz und Kapitalismus ein Ende zu setzen. Die pakistanischen Massen befinden sich in Gärung. Sie leiden unter steigenden Preisen sowie unter immer höheren Treibstoff- und Transportkosten, die ihnen durch die Forderungen des IWF aufgezwungen werden. Würde ihnen eine wirkliche Führung geboten, so reagierten sie darauf.
Auch in Indien herrscht breite Unzufriedenheit mit dem Regime, wie das rasante Wachstum der Cockroach Party gezeigt hat. Das war ein Symptom der explosiven Lage im Land. Ein revolutionärer Appell an die indischen Massen würde auf fruchtbaren Boden fallen. Nie zuvor waren die Bedingungen günstiger. Mit anderen Worten: Das Schicksal Kaschmirs und seine nationale Befreiung sind unmittelbar mit der sozialistischen Revolution auf dem gesamten indischen Subkontinent verbunden.
Deshalb unternehmen unsere Genossen zugleich dringende Schritte zum Aufbau der RCP in Kaschmir – ganz so, wie Lenin 1905, mitten in den revolutionären Wirren jenes Jahres, die Parteikader zum Aufbau der Partei aufforderte.
Sollte das JAAC jedoch ein Abkommen mit den pakistanischen Behörden schließen und die Bewegung im Gegenzug für irgendwelche künftigen Zugeständnisse abbrechen, wäre dies eine Falle. Die Clique in Islamabad würde eine solche Vereinbarung wie schon zuvor lediglich dazu benutzen, die Bewegung zu täuschen. Sobald die Massen durch falsche Versprechungen demobilisiert sind, wird der pakistanische Staat mit eiserner Faust zuschlagen, um die Bewegung zu zerschlagen, er wird sich rächen wollen. Wenn er es verhindern kann, wird er nicht zulassen, dass sich die Massenbewegung erneut erhebt.
Deshalb müssen wir vor der äußerst ernsten Lage warnen, die entstanden ist. Der Weg des Kompromisses führt unter diesen Bedingungen zur Niederlage und zu weiterem Blutvergießen. Der einzige Weg zum Sieg besteht darin, dass die Massen in Kaschmir die Macht übernehmen und die Revolution sich wie ein Lauffeuer über den gesamten indischen Subkontinent ausbreitet.
Darin liegt die Schicksalsfrage der Massen Kaschmirs.