Vor kurzem zeigte Erotik-Kolumnistin Gerti Senger in dem Krone-Artikel „Die Zukunft ist weiblich“, dass die Unterdrückung der Frau kein unveränderbarer Zustand ist. Eine Analyse von Lorin Prantner.

 

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Unterhaltsamerweise erschien ausgerechnet in der Kronen Zeitung unlängst der Artikel „Die Zukunft ist weiblich“, in welchem Gerti Senger einige richtige Feststellungen über die Entstehung der Frauenunterdrückung macht. Sie konstatiert, dass das „Matriarchat“ nicht die Unterdrückung des Mannes durch die Frau bedeutet, sondern eine Gesellschaft nach Vorbild der menschlichen Urgesellschaften, in welchen Mann und Frau gleichberechtigt waren. Im Fokus standen Werte wie Fürsorge und gegenseitige Unterstützung, reproduktive Pflege- und Erziehungsarbeiten waren gesellschaftlich aufgeteilt, anstatt in den Verantwortungsbereich einer einzelnen „Hausfrau“ zu fallen.

Mit Verweis auf den Anthropologen Bornemann erklärt Senger auch, wie Monogamie und Patriarchat historisch entstanden sind: Die Arbeitsmittel einer Familie waren traditionell das Eigentum des Mannes, mit der Entwicklung der Produktivkräfte wuchs dieses private Eigentum stetig an, verlieh dem Mann somit Macht und schuf das Verlangen, es an seine eigenen Kinder vererben zu können. Daher musste er fortan sichergehen, dass seine Frau keine anderen Partner neben ihm hatte, um zu wissen, dass die von ihr geborenen Kinder tatsächlich seine eigenen waren.
Gerti Senger stellt sich also klar gegen die häufig kolportierte Idee, Patriarchat, monogame Ehe und Privateigentum seien unveränderbare, seit jeher existierende Zustände.

Wie alle gesellschaftlichen Phänomene, so haben sich auch die eben genannten erst entwickelt. Der Kapitalismus selbst ist nur der Nachfolger von Sklavenwirtschaft und Feudalismus, und, was wichtiger ist, nur der Vorläufer neuer Systeme. Das vom Politikwissenschaftler Fukuyama einst prophezeite „Ende der Geschichte“, bei welchem jedwede gesellschaftliche Entwicklung einfach deswegen stillsteht, weil alle sich einig sind, dass die freie Marktwirtschaft mit dem Patriarchat und allen ihren anderen Säulen das bestmögliche System ist, wird es aus materialistischer Sicht niemals geben.

Was es hingegen geben wird und geben muss, ist ein Systemwechsel. Senger aber verzichtet getrost auf eine solche Perspektive und meint am Schluss ihres Artikels einfach, mit dem zunehmenden Einfluss von Frauen in Gesellschaft und Politik, mit mehr Frauen in Führungspositionen werden sich die lebensfreundlicheren Prinzipien, wie sie in matrilinearen Gesellschaften einst vorherrschten, schon wieder irgendwie durchsetzen. Sie schlussfolgert also, dass es den arbeitenden Frauen alleine dadurch schon besser ginge, in machtvollen und prestigeträchtigen Positionen Leute zu sehen, mit denen sie sich identifizieren können, weil diese zunehmend auch Frauen sind.

In Wahrheit dürfte es den Arbeiterinnen dieser Welt aber einerlei sein, ob sie nun von einer wohlverdienenden Chefin oder einem Chef ausgebeutet werden, solange sich an ihrer eigenen objektiven Lebenssituation nichts ändert. Um die tatsächliche Befreiung der Frau realisieren zu können, muss sie von der Last der gesamten Haus-, Pflege- und Erziehungsarbeit in der Familie, die unbezahlt verrichtet wird, befreit werden.

Diese reproduktive Arbeit, die in jeder Familie anfällt, in der Verantwortung der Frauen zu belassen und diese dafür zu bezahlen – hier geben sich verschiedenste konservative, liberale und sozialdemokratische Politiker die Hand – bringt keine nachhaltige Verbesserung. Tatsächlich ist das sogar ein Rückschritt, da die Frau somit in ihre Rolle als Hausfrau zurück- und vom Arbeitsmarkt, aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt wird. Der Kampf um Frauenbefreiung ist untrennbar verbunden mit der „Beseitigung der kapitalistischen Produktion und der durch sie geschaffenen Eigentumsverhältnisse“ (Friedrich Engels).

Wir haben zum Internationalen Frauentag heuer Friedrich Engels Klassiker „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ neu aufgelegt. In diesem Buch zeigt Engels, dass mit der Überwindung des Privateigentums auf die Vorherrschaft des Mannes wegfallen wird.

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