Die Kompressorenproduktion in Fürstenfeld drohte eingestellt zu werden. 250 ArbeiterInnen sollten ihren Job verliehen. Doch die Belegschaft kämpft energisch um den Erhalt des Standortes. Mario Wassilikos berichtet.

 

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Am 22. Oktober 2019 kam eine Hiobsbotschaft für die Secop-Beschäftigten. Der Eigentümer – der von der Orlando Management AG vertretene Investmentfonds „ESSVP IV“ – informierte die ArbeiterInnen, dass die Produktion der Kühlschrankkomponenten in die Secop-Schwesterwerke Slowakei und China verlagert und der Produktionsstandort mit Februar 2020 geschlossen werde. Der Personalstand soll von 350 auf 100 reduziert werden, der Standort Fürstenfeld nur mehr als administriertes Finanzzentrum der Secop-Gruppe bestehen bleiben.

Dies wäre das Ende der einst stolzen Fabrik mit über 800 Beschäftigten, eine Katastrophe für die ArbeiterInnen, ihre Familien und die gesamte strukturschwache Region!

LandespolitikerInnen aller Parteien überboten sich in bedauernder Anteilnahme und der Zusicherung ihrer Unterstützung für Ersatzarbeitsplätze und Sozialpläne.

Doch die Belegschaft wollte sich nicht mit dem Absturz in das Elend der Arbeitslosigkeit abfinden. So führte sie mit der Bevölkerung am 12. November 2019 einen Protestmarsch vom Firmengelände zum Rathausplatz nach Fürstenfeld durch. Dort drückten hunderte TeilnehmerInnen ihre Solidarität mit der Belegschaft aus und machten auf Transparenten ihrem Ärger Luft. Diese Eigeninitiative bewirkte, dass die PRO-GE, die Arbeiterkammer und die Steiermärkische Landesregierung den Secop-ArbeiterInnen ihre Unterstützung zusagten.

Am 5. Dezember 2019 folgte eine Betriebsversammlung. Dort beschloss man, sich mit allen Mitteln – auch mit Streiks – gegen die drohende Produktionsverlagerung zur Wehr zu setzen, wenn der Eigentümer nicht in Verhandlungen treten würde. Bald meldete sich ein Kaufinteressent – der japanische Nidec-Konzern, der zuvor schon einmal Secop-Eigentümer war, diese Firmengruppe jedoch aus EU-wettbewerbsrechtlichen Gründen an den Finanzinvestor verkaufte.

„Wir können alle rund 250 Arbeitsplätze in Fürstenfeld erhalten“, verkündete in diesem Zusammenhang Hubert Holzapfel, steirischer Landessekretär der PRO-GE, auf der am 30. Jänner stattgefundenen Betriebsversammlung.

Nidec will nicht nur die Produktion der Delta-Kompressoren erwerben, sondern auch die Kappa-Linie weiterhin in Fürstenfeld produzieren. Dies wurde dem Betriebsrat von der Konzernführung schriftlich mitgeteilt. Jedoch fehlte zum Erhalt der Arbeitsplätze noch die Unterschrift vom Finanzinvestor Orlando. Um Druck auszuüben, fand am 3. Februar ein 4-stündiger Warnstreik statt. Am 12. Februar wurde erneut gestreikt – diesmal sechs Stunden lang. Doch Orlando hat bislang noch nicht unterzeichnet.

„Sollte Orlando keine konkreten Angebote legen und seriöse Verhandlungsgespräche führen, werden die Warnstreiks jede Woche ausgeweitet“, betont Holzapfel. Auch ein unbefristeter Streik sei nicht ausgeschlossen.

Die Secop-ArbeiterInnen beweisen eindrucksvoll, dass es sich auszahlt zu kämpfen. Mit Mut, Tatkraft und Eigeninitiative haben sie es geschafft, Kapital und Politik unter Druck zu setzen – vor allem durch die öffentlichkeitswirksame Einbeziehung der Bevölkerung in den Arbeitskampf. Zwar ist das Ziel – der Erhalt des Standortes mit allen Arbeitsplätzen – noch nicht erreicht, jedoch in greifbare Nähe gerückt.

Das jetzt steigende Vertrauen in die eigene Kraft wird die Belegschaft auch in Zukunft weiter brauchen. Die Geschichte des Werkes in den letzten Jahren zeigt, dass das Leben der ArbeiterInnen im großen Spiel der Profite nichts zählt. Wie man gehörig Druck auch für sich selbst und seinesgleichen aufbaut, das zeigen die KollegInnen jetzt in ihrem harten Arbeitskampf.

Volle Solidarität mit den Beschäftigten der Secop-Fürstenfeld!

(Funke Nr. 181, 25.2.2020)


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