…wird ein Feuer entfachen!

Seit dem 1.1.2018 gibt es für neue MitarbeiterInnen im Wiener „Krankenanstaltenverbund“ (KAV) ein neues Gehaltsschema mit einem höheren Einstiegsgehalt und einer flacheren Gehaltskurve. Doch vor allem KollegInnen, die vor diesem Stichtag eingestiegen sind, schauen derzeit noch durch die Finger. Ein Pfleger berichtet.


Lange Zeit war vor allem den betroffenen PflegerInnen unklar, wie groß der Unterschied zum alten Gehaltsschema ist. Dieser ist gigantisch, wie bei der Auszahlung der Weihnachtsgelder klar wurde. Ein Beispiel von der Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zeigt, dass „auf der Intensivstation, wo neue MitarbeiterInnen die nach dem 1.1.2018 begonnen haben im Jahr um 6 782 Euro brutto mehr verdienen, als MitarbeiterInnen, die das Pech hatten unmittelbar vor dem Stichtag begonnen zu haben!“ Für MitarbeiterInnen, die vor dem 1.1.2018 einstiegen, entpuppt sich der KAV dabei als Grinch, der einem sogar das hart erarbeitete 14. Gehalt noch verderben kann. Und das gerade in einer Zeit, wo aufgrund von Infektionskrankheiten, rutschigen Straßen & Wegen und winterlichen Krankenständen besonders viel zu tun ist und reichlich Zusatzdienste absolviert werden müssen.

Eine Vorreiterrolle sich dagegen zu wehren nimmt dabei die angesprochene Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ein. Ihre Forderungen lauten:
„1. Eine Optierungsmöglichkeit in das neue Besoldungs- und Dienstrecht bei vorhergegangener Rechts- & Beratungssicherheit -> der freie Wille darf nicht genommen werden
 2. Gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, unter Berücksichtigung von Vordienstzeiten und abgeschlossenen Sonder- & Weiterbildungen
 3. Den Zulagendschungel auch bei den alten Verträgen in das Grundgehalt integrieren
 4. Abfertigung ALT darf im Falle einer Optierung nicht verloren gehen
 5. Ausgleichszahlungen für Beamte und MitarbeiterInnen bei denen sich ein Wechsel in das neue Besoldungssystem nicht mehr auszahlt.
 6. Eine transparente Informationspolitik von Seiten des KAV sowie der Gewerkschaft“

Doch nicht nur auf Facebook äußern die KrankenpflegerInnen ihren Unmut, auch in den Abteilungen bildet sich Widerstand. Das führt dazu, dass die Personalvertretung bzw. Gewerkschaft „Informationsveranstaltungen“ an den verschiedensten Abteilungen und Häusern abhält. Abseits von einigen technischen Details zu Evaluierungsphasen und Lohnschemata wurden die brennenden Fragen nur zögerlich bis widerwillig beantwortet: „Können wir umsteigen?“, „Wann können wir das?“ Man wird auf das Ende der zweiten Evaluierungsphase vertröstet, die Ende 2019 abgeschlossen sein soll. Frühestens könnte 2020 eine individuelle Möglichkeit bestehen bei der Magistratsabteilung 2 in das neue Vertragsschema zu wechseln. Das heißt im besten Fall verlieren viele von uns weiterhin Monat für Monat hunderte von Euros.

„Evaluiert“ wird zur Zeit noch einiges mehr. Im Frühjahr 2019 werden die ersten „PflegefachasisstentInnen“ ausgeschult. Vom KAV werden die zukünftigen KollegInnen in der Lohnkategorie „PflegehelferIn“ angestellt, wobei die neuen KollegInnen aber auch Arbeiten, die bisher dem diplomierten Personal vorbehalten sind, übernehmen sollen. Die niedrigere Einstufung von Neueingestellten ist eine typische Sparmaßnahme, die auch in anderen Magistraten angewandt wird (etwa bei der MA 48).

Bei den heute betroffenen Gesundheits- und KrankenpflegerInnen herrscht ob ihrer Schlechterbehandlung Frustration, die in blanke Wut umschlägt, wenn von GewerkschaftsvertreterInnen herablassende Aussagen und „Ratschläge“ kommen, wie „das müsst ihr den Dienstgeber selbst fragen“. Oder angesichts der Aussage eines Kollegen der Personalvertretung, der meint, er sei „von der Personalvertretung und nicht der Gewerkschaft hier“, denn nur letztere führe die Verhandlungen. In der Versammlung wurde die Frage aufgeworfen, warum er als Personalvertreter dann diese Informationsveranstaltung abhalte, wenn er zum Thema nichts Relevantes zu sagen hätte. Gerade der Dienstgeber hat uns in Form des Stadtratbüros Peter Hacker salopp gesagt „abgeschasselt“, als seitens der Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nachgefragt wurde. Versuche, die VertreterInnen der Personalvertretung zu den Verhandlungen zu befragen und handfeste Antworten zu bekommen, scheiterten offensichtlich überall.

Die Forderung einer Kollegin, man müsste im Zweifelsfall streiken, wurde an anderer Stelle damit beantwortet, „man habe Pläne in der Schublade“ und man sei zuversichtlich, dass aufgrund unserer „Stärke“ (gemeint ist wohl der hohe gewerkschaftliche Organisierungsgrad) es zu 99% eine Optierungsmöglichkeit geben wird. Außerdem würde „unser Christian Meidlinger“ bei jedem Gespräch im Rathaus die Notwenigkeit, dass so eine kommen müsse, ansprechen. Die Erfahrung lehrt hingegen: Nicht das individuelle Verhandlungsgeschick – egal ob von Christian Meidlinger oder Rainer Wimmer, wir haben in der Vergangenheit bereits gesehen, sie kochen alle nur mit Wasser – macht unsere Stärke aus, sondern die Tatsache, dass ohne uns weder im KAV noch sonst irgendwo in der Stadt Wien etwas läuft. Um unsere Forderungen umzusetzen, müssen wir uns zusammentun, mit unseren KollegInnen diskutieren und uns gegen diese Umstände wehren. Das beginnt schon im Kleinen sich nicht vor unangenehmen Umständen konfliktscheu wegzuducken und still sein Schicksal zu ertragen, sondern den Mund aufzumachen, sich mit KollegInnen aus dem Team oder anderen Abteilungen zusammenzutun. Missstände offen anzusprechen und das Gespräch mit der Personalvertretung und der Gewerkschaft einzufordern. Egal ob es sich um KAV-weite Probleme handelt, wie die mangelnden Umstiegsmöglichkeiten in das neue Gehaltsschema, nicht nachbesetzte Dienstposten auf einer Station oder um was auch immer. Jede Krankenpflegerin, jeder Krankenpfleger, egal ob an der Basis oder im Mittelbau, leistet viel Arbeit und diese meist gerne, wenn nicht permanent bei uns und damit an der Gesundheit von jedem einzelnen gespart werden würde. Wir dürfen uns das alles nicht mehr länger gefallen lassen und müssen uns auf den Stationen organisieren und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Zum Wohle unserer Arbeitsbedingungen und zum Wohle der PatientInnen: Gut hinschauen und aufmucken!

 (Funke Nr. 170/Februar 2019)




Unsere Arbeit kostet Geld. Dabei sind wir exklusiv auf die Unterstützung unserer LeserInnen und UnterstützerInnen angewiesen. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, zögere nicht und lass uns deine Solidarität spüren. Ob groß oder klein, jeder Betrag hilft und wird wertgeschätzt.

Der Funke
IBAN: AT48 1513 3009 5102 5576
BIC: OBKLAT2L