Dringender Solidaritätsappell zur Unterstützung der Mitsubishi Motor-Company (MMC)-Beschäftigten in Barcelona/Venezuela.

 

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Die Angriffe auf die ArbeiterInnen der Mitsubishi Motor Company (MMC) und ihre Gewerkschaft in Barcelona, im venezolanischen Bundesstaat Anzoátegui, haben erneut angefangen. Wir appellieren an euch, an der internationalen Protestkampagne teilzunehmen.

Am 26. September 2009 fand eine ArbeiterInnenversammlung bei MMC Automotriz zur Unterstützung von elf FührerInnen der Gewerkschaft SINGETRAM statt. Im Jänner dieses Jahres führten die ArbeiterInnen von MMC einen mutigen Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen einer Gruppe von in eine Subfirma ausgelagerten ArbeiterInnen, die die Firma illegalerweise entlassen wollte. Der Kampf führte zu einer zweimonatigen Besetzung des Werks; während dieser Bewegung wurden zwei Arbeiter von der regionalen Polizei getötet, als sie Widerstand gegen die Räumung leisteten. Als Ergebnis des Kampfes, der mit einem Teilsieg endete, wurden die Mitsubishi-ArbeiterInnen und ihre Gewerkschaft zu einem Bezugspunkt für andere ArbeiterInnen in Anzoátegui, in der Autoindustrie und in der venezolanischen Gewerkschaftsbewegung im Allgemeinen.

Keine Schikanierung und Drangsalierung der Mitsubishi-Beschäftigten in Venezuela

Nun hat die Firma im September einen weiteren Anlauf unternommen, die Entschlossenheit der ArbeiterInnen zu brechen und ihre Gewerkschaft zu zerschlagen, indem sie eine Aussperrung verkündete. Ihr Argument: Die GewerkschaftsführerInnen wären UnruhestifterInnen, mit denen sie nicht verhandeln könnten, und deswegen würden sie das Werk dauerhaft zusperren. Einmal mehr organisierte SINGETRAM eine beispielhafte Kampagne, in die sie lokale Komitees und ArbeiterInnen aus dem ganzen Bundesstaat Anzoátegui einband; am 21. September wurde das Werk daraufhin wieder in Betrieb genommen.

Jedoch kündigte das Management am selben Tag Entlassungsverfahren gegen 156 ArbeiterInnen, inklusive von elf Mitgliedern des Exekutivkomitees der Gewerkschaft, an. Dies ist ein klarer Versuch, die Gewerkschaft zu zerschlagen und die Entschlossenheit der ArbeiterInnen zum Kampf zu brechen. Die GewerkschaftsführerInnen sind alle Teil der bolivarischen Bewegung und Mitglieder der PSUV (Sozialistische Einheitspartei). Unglücklicherweise hat das Arbeitsministerium die Entlassungsverfahren gegen die elf GewerkschafterInnen akzeptiert, ohne diese auch nur anzuhören. SINGETRAM hat gegen die Entlassungen eine Kampagne in Venezuela gestartet und ruft gleichzeitig zu internationaler Solidarität auf.
Wir rufen alle GewerkschafterInnen auf, den untenstehenden Solidaritätsbrief zu unterzeichnen und an die Arbeitsministerin zu senden:

An die Arbeitsministerin der Regierung der Bolivarischen Republik Venezuela, Frau María Cristina Iglesias

Sehr geehrte Frau Ministerin,

wir wenden uns an Sie in tiefer Sorge um die Lage der Beschäftigten der Mitsubishi Motor-Company (MMC) in Barcelona (Bundesstaat Anzoategui, Venezuela) seit Anfang. Diese Belegschaft ist mehrheitlich in der Gewerkschaft Singetram organisiert und hat bislang erfolgreich ihre Arbeitsplätze und Rechte in diesem multinationalen Konzern verteidigt. Dieser Kampf wurde mit legalen Mitteln und im Rahmen der Arbeitsschutzbestimmungen im Sinne der venezolanischen Verfassung geführt, während dieser multinationale Konzern diese Rechte ständig verletzt. So etwa im Hinblick auf Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften; hier engagieren sich über 500 ArbeiterInnen für mehr Arbeitssicherheit, nachdem die Konzernzentrale gefährliche erschlechterungen der Arbeitsbedingungen verordnet hat. Die Gewerkschaft Singetram ist eine bolivarische Gewerkschaft und Mitglied der sozialistischen ArbeiterInnenfront; ihre führenden VertreterInnen sind auch Mitglieder der sozialistischen Regierungspartei PSUV und AnhängerInnen von Präsident Hugo Chávez.

Die Mitsubishi-Geschäftsleitung hat alles unternommen, um den Widerstandwillen der Belegschaft zu brechen - durch Aussperrung, Androhungen, Abmahnungen und Kündigungen. Korrupte örtliche Polizeibeamte, die faktisch im Dienste des Konzerns stehen, haben im Januar 2009 zwei Arbeiter getötet, als sie gewaltsam die besetzte Fabrik räumen wollten. Die Geschäftsleitung hat eine Propaganda- und Lügenkampagne in Anzoategui losgetreten und behauptet, diese ArbeiterInnen wären gewalttätige ExtremistInnen. Auch das ist unwahr.

Diese Belegschaft hat sich in ihrem Kampf immer an die Gesetze gehalten. Die Opfer der Aggression werden zu TäterInnen abgestempelt. Sie selbst, Frau Ministerin, wissen sehr gut, dass dies auch die Methode der PutschistInnen war, die am 11. April 2002 den demokratisch gewählten Präsidenten stürzen und eine Diktatur errichten wollten. Die PutschistInnen haben damals ebenso das Volk und seine SprecherInnen kriminalisiert, um die Bewegung zu zerschlagen und die Unterdrückung zu rechtfertigen.

Es ist öffentlich bekannt, dass Sie immer die Idee vertreten haben, dass ArbeiterInnen eine zentrale Rolle in der venezolanischen Revolution spielen müssen. In diesem Sinne rufen wir Sie dazu auf, im Interesse dieser Belegschaft einzugreifen und zu verhindern, dass ein multinationaler Konzern die Rechte der ArbeiterInnen mit Füßen tritt.

Vor kurzem haben wir erfahren, dass Ihr Ministerium auf Antrag der Mitsubishi-Geschäftsführung die Kündigung von elf führenden GewerkschafterInnen im Betrieb hingenommen und für Rechtens erklärt hat. Dies war genau an dem Tag, an dem der Betrieb nach der Aussperrung wieder seine Tore geöffnet hat. Angesichts dieses neuen Angriffs bitten wir Sie, die Legalisierung der Kündigungen zurückzunehmen und dazu beizutragen, dass die Schikanierung und Drangsalierung der Mutsubishi-ArbeiterInnen in Barcelona unverzüglich aufhört.

* Schluss mit der Schikanierung und Drangsalierung der MMC-Belegschaft in Venezuela!
* Sofortige Rücknahme der Kündigung der elf führenden GewerkschafterInnen bei der MMC!

mit solidarischen Grüßen

Bitte per E-Mail an Ministro del trabajo Maria Cristina Iglesias und in Kopie an Viceministro del trabajo Elio Colmenares, Viceministro del trabajo Ricardo Dorado, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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