Während der ÖGB dafür wirbt "regional zu kaufen", um "heimische Arbeitsplätze" zu sichern, soll nun die ÖGB Fachbuchhandlung in Wien geschlossen werden. Wir sagen dazu: Die ÖGB-Buchhandlung muss bleiben!

 

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Die Krise fordert mehr und mehr ihre Opfer. Massenentlassungen, Betriebsschließungen und Pleitewellen stehen auf der Tagesordnung. Aber nicht nur Heuschreckenkapitalisten und Konzerne, die im globalisierten Turbokapitalismus dem maximalen Profit hinterherjagen, lassen ihre Belegschaften die Krise ausbaden. Auch im ÖGB sticht die Logik der Unternehmensbilanz alle anderen Überlegungen. Der gewerkschaftseigene ÖGB-Verlag hat daher die Entscheidung getroffen, die ÖGB-Buchhandlung in der Nähe der Uni Wien mit Ende Mai zu schließen.

Für viele ist das ein Schock. Unter dem Team von Manfred Arthaber hat sich die ÖGB-Buchhandlung in den letzten Jahren mit einem hochwertigen Buchsortiment, einem ansehnlichen Antiquariat mit sozialistischen Klassikern und als Veranstaltungsort für Buchpräsentationen und spannende Diskussionen zu einer echten Institution gemausert. Natürlich war 2020 alles andere als ein einfaches Jahr für eine Buchhandlung.

Aber entscheidend ist vielmehr, welche Linie seit Beginn dieser Krise im ÖGB verfolgt wird. Die ÖGB-Spitze akzeptiert die Logik des Marktes und ist deshalb unfähig das soziale Kettensägenmassaker, dem zehntausende Jobs und soziale Errungenschaften zum Opfer fallen, zu verhindern. „Sozial verträglich“ sollen die Schließungen und Entlassungen sein, die man zu verhandeln bereit ist. Dann ist man im Catamaran schon zufrieden. Und was Katzian & Co getrieben von der Idee eines „nationalen Schulterschlusses“ gegenüber kapitalistischen Konzernen vertreten, ist ihnen im eigenen Haus Gesetz.

Wir sagen dazu: Die ÖGB-Buchhandlung muss bleiben! Die Gewerkschaften entstanden ursprünglich aus der Bewegung der Arbeiterbildungsvereine. Ihr Leitspruch war einst: „Bücher haben uns in die Sklaverei gebracht, Bücher werden uns befreien!“ Manfred Arthaber hat bei jeder Veranstaltung in seinem Haus betont, dass diese Buchhandlung mehr ist als ein Unternehmen, wo man Bücher kaufen kann. Die Art und Weise, wie diese Buchhandlung geführt und ausgerichtet war, stellt sie in die Tradition der proletarische Bildungsbewegung. Eine Institution wie die ÖGB-Buchhandlung muss daher verteidigt werden!

Was es jetzt braucht, ist eine breite Kampagne in den Gewerkschaften, mit dem Ziel diese Schließung zu verhindern. Und wenn der ÖGB glaubt, diese fatale Entscheidung durchziehen zu müssen, dann sollten die MitarbeiterInnen der Buchhandlung, die diese zu dem gemacht haben, was sie heute ist, besetzen und unter ihrer Kontrolle weiterführen. Wir sind uns sicher, dass sie von einer Welle der Solidarität durch diese schwierigen Zeiten getragen würden.

(Funke Nr. 189 / 10.12.2020)


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