Aufgrund der Ausschreibungspraxis des AMS verlieren ca. 70 Maler-, Maurer- und Tischlerlehrlinge ihre Ausbildungsstelle im WUK, da das WUK von einem Großbetrieb um die Hälfte unterboten wurde. Dieses Discount-Angebot seitens des Großbetrieb finanziert sich durch eine enorme Verschlechterung der Ausbildung. Gegen den Verlust der 70 Lehrstellen und die AMS Ausschreibungspraxis fand am 31. Oktober ein Protestmarsch statt. Der Funke sprach mit Eva Lems, Tischlerlehrling im WUK.

 

F.: Wie erfolgte der Verlust der Lehrstellen in Zusammenhang mit der Ausschreibungspraxis des AMS und welche Konsequenzen resultieren daraus?

Dass die WUK-Lehrstellen in der Triesterstraße betroffen sind, ist schon länger bekannt, dass aber auch das Projekt in der Währingerstraße bedroht ist, wurde erstmals bei der Jubiläumsfeier des WUK durch eine Rede einer AMS-Vertreterin bekannt. Die Lehrlinge waren seit dem bemüht vor allem über die Ausbildner Informationen über ihre berufliche Zukunft zu erfahren. Die offizielle Stellungnahme des AMS wurde erst kürzlich ausgeschickt.
Bei der Ausschreibung des WUK für das Werkstättenprojekt in der Währingerstraße wurde man von einem Großbetrieb unterboten und verlor die Lehrstellen und die damit verbundene "Unterstützung" des AMS.

Kurioserweise befand sich zur Zeit der Ausschreibung dieser Betrieb erst in der Gründungsphase, und daher ist es fraglich wie dieser überhaupt an der Ausschreibung teilnehmen konnte. Trotzdem entschied sich das AMS gegen qualitativ hochwertige Ausbildung und für eine Massenabfertigung der Lehrlinge.

Die Lehrstellen des WUK zeichnen sich dadurch aus, dass Lehrlinge mit schwachem sozialen Hintergrund aufgenommen werden und dementsprechend betreut werden, es steht seitens des WUK ein Team aus Pädagogen/innen, Ausbildner/innen und Lehrer/innen zu Verfügung, das sich den Problemen der Lehrlinge annimmt und auf diese eingeht. Dadurch wird es den Lehrlingen ermöglicht wieder Anschluss zu finden und sich auch für die Tätigkeiten der Lehre zu motivieren, es darf nicht vergessen werden, dass sich Lehrlinge im Projekt des WUK befinden, denen es aufgrund ihres sozialen Hintergrundes schwerer fällt einer Lehre nachzugehen. Daher bietet das WUK nicht einfach nur Lehrstellen an, sondern ist auch als Sozialprojekt zu sehen, umso unverständlicher sind die Ausschreibungsmethoden des AMS, welche Sozialprojekte wie das WUK mit gewöhnlichen Betrieben konkurrieren lässt und das im Sinne der Geldersparnis.

Zudem wird in den Lehrstellen im WUK praktisch anwendbares Wissen vermittelt und die Lehrlinge werden nicht wie in anderen Betrieben nur mit dem Kehren der Werkstatt beauftragt. Den Lehrlingen des WUK ist es möglich selbst kreativ tätig zu sein und sich somit weiterzuentwickeln.

F.: Mit welchen Verschlechterungen für die Lehrlinge ist zu rechnen?

Die Lehrlinge aus der Triesterstraße und die Lehrlinge aus der Währingerstraße müssen bis Jänner 2006 in die Großbetriebe wechseln. Das "Niveau" der Ausbildung des einen Großbetriebes, in welchen die Lehrlinge aus der Triesterstraße wechseln, ist bereits bekannt. Dort setzt sich die Lehre aus am PC sitzen und warten zusammen, fachliche Kenntnisse, die es gilt innerhalb der Lehre zu erlernen, werden dort kaum vermittelt. Somit fehlt den Lehrlingen nach Ende der Ausbildung essenzielles Wissen, welches für den weiteren Berufsweg entscheidend ist. Bis jetzt wurde "garantiert", dass der Lohn gleich bleibt.

Über den Betrieb, in den die Lehrlinge aus der Währingerstraße wechseln, ist noch zu wenig bekannt, man kann aber davon ausgehen, dass die Qualität der Ausbildung minderwertig sein wird und die Lehre einer Massenabfertigung gleich kommen wird. Lohnkürzungen sind zudem möglich.
Alle Lehrlinge, die älter als 18 Jahre sind, dürfen aus Kostengründen die Berufsschule nicht mehr besuchen und sind somit gezwungen die Gesellenprüfung zu verschieben oder sich das notwendige Wissen selbst beizubringen, was eine extreme Belastung für die Lehrlinge darstellt.
Durch solche Einsparungen an der Ausbildung können es sich die Großbetriebe leisten das WUK zu unterbieten.

F.: Wurdet Ihr bei Eurem Protestmarsch von gewerkschaftlicher oder politischer Seite unterstützt?

Nein, vor der Planung des Protestmarsches fragten wir bei GPA, Bauholzgewerkschaft, ÖGB, SPÖ und Grünen an. Wenn überhaupt kamen kaum relevante Reaktionen. Die Bauholzgewerkschaft die zumindest die Tischlerlehrlinge vertreten sollte, lehnte dezidiert ab. Vor allem aus gewerkschaftlichen Kreisen kam die Begründung, dass das AMS ein Verhandlungspartner für sie darstellt und man es sich mit dem AMS nicht verscherzen möchte.

F.: Welche Perspektiven siehst Du für Euren Arbeitskampf?

Das AMS beharrt auf seiner Entscheidung, der Wechsel in die Großbetriebe scheint sicher zu sein.
Einige Lehrlinge sind stark demotiviert, manche haben bereits ihre Lehrstelle aufgegeben. Weiters ist es problematisch, dass den Lehrlingen kein Arbeitslosengeld zusteht, da die Lehrstellen des WUK rechtlich nicht dem Status einer Lehre gleichkommen. Daher haben wir nur die Möglichkeit uns eine neue Arbeit zu suchen oder in die Großbetriebe zu wechseln um finanziell weiterhin halbwegs abgesichert zu sein. Allerdings hat uns durch den Protestmarsch, an dem öffentlich Kritik an der Bauholzgewerkschaft geübt wurde, diese eine Neuvertretung in den neuen Betrieben zu gesagt. Weiters wird es noch Gespräche mit der Bauholzgewerkschaft und der GPA geben.

F.: Danke für das Interview.




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