Beschäftigte sollen mit ihren Arbeitsplätzen für Spekulationsverluste bezahlen. Jetzt braucht es gewerkschaftlichen Widerstand!

Unter einem Vorwand wurden mehrere Postbus-Betriebsräte am 12.01.2009 in die Unternehmenszentrale eingeladen. Zur gleichen Zeit wurde in der Werkstätte Erdberg die Belegschaft vom Management darüber informiert, dass ihr Standort Mitte 2009 geschlossen werden soll. Dabei sollen laut Management so wenige Arbeitsplätze wie möglich verloren gehen.

"In den per Presseaussendung angebotenen Standorten können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht untergebracht werden! Damit sind auch die Arbeitsplätze der 180 Bediensteten weg", kontert Betriebsratschef Robert Wurm. Abgesehen davon ist der u.a. ‚angebotene’ Standort Hollabrunn wohl für viele KollegInnen keine so gute Alternative, würde dieser doch in Anbetracht der langen Anfahrtszeit massive Verschlechterungen bedeuten.

"Beim ÖBB-Management haben sich offenbar nur ein paar Namen geändert. Die Strategie geht immer noch in die Richtung, mit Chaos-Management die eigene Haut zu retten. Die Spekulationsverluste der jüngeren Vergangenheit sollen offenbar mit neuen Grundstücksgeschäften auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter saniert werden", so ein kämpferischer Robert Wurm. Jetzt sei die Politik gefordert, diese betriebswirtschaftliche "Strategie des Wahnsinns" zu stoppen.

Am 14.01.2009 fand als erster Schritt eine Betriebsversammlung statt, um die Belegschaft am Standort Erdberg aus Sicht der Belegschaftsvertretung informieren. Inzwischen machen Streikgerüchte die Runde. Der Postbus und seine Beschäftigten stehen seit Jahren unter Beschuss. Die Liberalisierung forderte bereits überreichlich ihren Tribut. Hier geht es längst nicht mehr um Managementfehler, sondern um Profitmaximierung auf Kosten der Lohnabhängigen. Die Offenlegung aller Geschäftsbücher ist heute zentral, um den Lügenmärchen des Unternehmens den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die zuständige Gewerkschaft, die GPF, hat in den letzten Auseinandersetzungen (z.B. rund um den geplanten massiven Personalabbau im Zuge der geplanten Postamtsschließungen) viele Federn lassen müssen und an Glaubwürdigkeit verloren. Das Bemühen einzelner GewerkschaftsfunktionärInnen als bessere ManagerInnen zu fungieren, machte sie zu Mitverantwortlichen von Stellen- und Sozialabbau.

Zeit für einen Kurswechsel! Dieser aber führt nur über einen Weg: Schluss mit jeder Form von StellvertreterInnenpolitik! Die Basis muss das letzte Wort haben! Und dazu muss sie überhaupt erstmal zu Wort kommen können. Demokratische Strukturen in Verbindung mit einer klassenkämpferischen Politik sind die Grundvoraussetzungen, um einen Arbeitskampf gewinnen zu können. In diesem Sinne: Eure Krise zahlen wir nicht!

Gleichzeitig hat sich mit der nun drohenden Schließung des Standortes Erdberg einmal mehr herausgestellt, dass Privatisierungen und Ausgliederungen immer auf Kosten der Beschäftigten gehen. Im Fall des Postbus zeigt sich auch deutlich, dass die KundInnen genauso betroffen sind. Die Einstellung von zahlreichen Verbindungen hat deutlich gezeigt, dass Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen nur dann im Sinne der NutzerInnen arbeiten können, wenn sie dem Profitgedanken entzogen sind. Daher fordern wir heute die sofortige Wiederverstaatlichung des Postbus unter Kontrolle der Beschäftigten und NutzerInnen.

Lis Mandl, Betriebsratsvorsitzende KuS, Mitinitiatorin der Kampagne „Wir sind ÖGB“




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