Am 10. Februar veröffentliche eine Pflegeperson des AKH Wien einen langen offenen Brief an die Leitung. Über die Frage der Impfung für ArbeiterInnen im Gesundheitsbereich.

 

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 Der am 10. Februar veröffentlichte Brief beginnt so:

„Sehr geehrte Leitung des AKH,

viele Mitarbeiter*innen sind aufgebracht und enttäuscht: Seit gut einem Jahr tragen wir alle Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit. Als Mitte Dezember die Frage nach der Impfung aufkam, haben sich viele Mitarbeiter*innen gemeldet um schnellst möglich einen Schritt Richtung Normalität zu machen. Doch was ist danach geschehen? Zuerst kam es zu Verzögerungen, was angesichts der schnellen Entwicklung und Produktion noch verzeihbar gewesen wäre. Jedoch gab es danach kaum noch Informationen, wie es nun weitergeht. Aus 2 Wochen, in denen das ganze Personal geimpft wird, wurden 10 Wochen und auf einmal war der Impfstoff nicht mehr verfügbar.

Gerüchte wurden bestätigt, wonach Verwaltungs-mitarbeiter*innen und technischen Personal, welche kaum bis keinen Patientenkontakt haben, bereits geimpft wurden. Währenddessen hat Pflegepersonal, das Tag und Nacht Kontakt mit Patient*innen hat, wo gerade im ambulanten Betrieb wenig Klarheit über den Covid-Status herrscht, noch nicht einmal einen Termin bekommen.“

Am Ende werden KollegInnen eingeladen diesen Brief zu unterstützen: „Mit dieser Petition wollen wir erreichen, dass unsere Forderung, den bestmöglichen Schutz zu bekommen, erfüllt wird.“
850 KollegInnen haben bisher unterschrieben. Die PV-Liste „Solidarität“ im Wiener Gesundheitsverbund unterstützt diese Initiative und kommentiert:

„Qualitätsimpfstoff für alle, und das sofort!

Die Tatsache, dass in Österreich nun primär ein Impfstoff verimpft werden soll, der laut klinischen Studien nur eingeschränkt gegen Mutationen wirksam ist und im Allgemeinen eine geringere Wirksamkeit hat als andere Stoffe, ist Ausdruck eines gescheiterten Systems, das Profite vor die Gesundheit der Menschen stellt.

Sowohl die Bundesregierung, als auch die EU sind offensichtlich unfähig mit den Pharmakonzernen ordentliche Verträge im Sinne der Gesundheit der Menschen abzuschließen. Die Konzerne deren Forschung überwiegend oder sogar gesamthaft aus Steuergeldern finanziert wurden, sitzen nun auf lebensnotwendigen Patenten, haben ihre eigenen Produktionskapazitäten kaum ausgebaut und spekulieren aktuell auf den internationalen Märkten mit dem lebensnotwendigen Impfstoff – nur für die Meistbietenden.

Die Beschäftigten in Wissenschafts-, der Pharmaindustrie und des Gesundheitssystem wären besser in der Lage so etwas zu organisieren, als profitorientierte Manager und die österreichische Pressekonferenz-Regierung.

Wir unterstützen die Petition „Das Personal des AKH hat das Recht auf einen zuverlässigen Impfstoff“, ohne die Idee zu teilen oder verbreiten zu wollen, dass ein Bitten der Beschäftigten die Verantwortlichen zu einer Umarbeitung ihrer Impfstrategie veranlassen wird. Die Petition ist ein weiterer Ausdruck des simmernden Zorns im Gesundheitspersonal. Die von der Ärztekammer anvisierte Impfapartheid im Gesundheitssystem ist ein Hohn und setzt der schreienden Ungerechtigkeit die Krone auf.

Was wir brauchen, ist die Gleichberechtigung aller ArbeiterInnen im Gesundheitssystem von der Erfindungskraft bis zur Ärztin und auch über alle Krankenhäuser und Bereiche hinweg. Wir müssen gemeinsam die verschiedensten Spaltungen in unserem Bereich überwinden. Denn nur wenn wir gemeinsam aktions- und streikfähig sind, sind wir der gescheiterten Politik nicht mehr ausgeliefert: Seien es Impfstoffe, die Arbeitszeit oder unsere Löhne. Deshalb organisieren wir: „Kämpferisches Krankenhaus: Für welches Programm und wie organisieren wir uns?“

Die nächste Debatte dieser Kampagne findet am 26. Februar statt.

(Funke Nr. 191/17.2.2021)


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