…wird ein Feuer entfachen!

Am 16.1. haben die Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialwirtschaft begonnen. Die Arbeitgeber appellieren vorab an die Nächstenliebe der Beschäftigten.Die Gewerkschaften fordern für die 100.000 Beschäftigten mehr Lohn (6,5%), kürzere Arbeitszeiten (35 Wochenstunden) und mehr Urlaub (6 Wochen).


„Wir sind gemeinnützige Unternehmen und dürfen keine Gewinne erzielen“, kommentiert Alexander Bodmann, Co-Geschäftsführer der Caritas das Verlangen der Gewerkschafter. „Sechs Prozent Lohnerhöhung sind nicht gerade realistisch“, so Arbeitgeber-Verhandler Marschitz Geschäftsführer zur Sozialwirtschaft Österreichs. „Wir können die sechste Urlaubswoche nicht so einfach hergeben“, sagt Josef Scharinger, Vizepräsident der Diakonie Österreich. Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe und Verhandlungsführer der Arbeitgeber, bringt die Haltung der Arbeitgeber auf den Punkt: „Das alles zusammen ist unfinanzierbar.“ Aber eine gute Nachricht haben die Manager der Sozialarbeit: „Das hindert uns nicht daran, gemeinsam mit der Gewerkschaft soziale Arbeit als Arbeit zu propagieren, die mehr wert ist“, so Caritas Geschäftsführer Bodmann.

Selbstausbeutung – Schluss damit!

Mit dem Hinweis auf die Hilfsbedürftigkeit der KlientInnen – Kranke, Arme und Hilfsbedürftige – und der Verpflichtung gegenüber den SpenderInnen sozialer Einrichtungen, nehmen die Geschäftsführungen der Sozialwirtschaft die eigenen Belegschaften einmal mehr in emotionale Geiselhaft.

Wir weisen dieses Argument zurück. Die Sozialwirtschaft erbringt Leistungen im Auftrag der öffentlichen Hand. Es ist die Verpflichtung der Geschäftsführungen dafür zu sorgen, dass die Auftraggeber die erbrachten Leistungen auch kostendeckend bezahlen. Die vielen kleinen SpenderInnen der Arbeiterklasse haben vollstes Verständnis dafür, dass ihre Kolleginnen, die professionell und engagiert ihre soziale Arbeit verrichten auch anständig bezahlt werden.

Und reden wir auch über die Doppelstandards der „Gemeinnützigkeit“: Während dieses Argument ständig auf der Zunge liegt, wenn es um die Ausgestaltung der Arbeit geht, sehen sich die Geschäftsführungen selbst als „professionelle Manager“, die sich dementsprechend hohe Gehälter auszahlen. Und diese Profis sind ständig darum bemüht, sich selbst modernste Standards zu gönnen: Auslagerungen von Leistungen gemeinnütziger Vereine in den Profitbereich (der oft von den gleichen Personen betrieben wird) sind heute der Trend in der Branche.

Auf gut Deutsch gesagt: die Beschäftigten haben genug davon, für dumm verkauft zu werden. Dies drückt sich in den erhobenen Forderungen aus. Jetzt gilt es für die politische bewusstesten Kolleginnen die Auseinandersetzung im eigenen Betrieb voranzutreiben. Nur die Mobilisierung wird die wankelmütigen Kräfte auf Seite der Gewerkschaftsbewegung zu einem akzeptablen Abschluss drängen.

Jetzt dran bleiben!

Das Proletariat der Sozialwirtschaft ist großteils weiblich und teilzeitbeschäftigt. 80 % haben keine volle Anstellung und viele leben ständig um die Armutsschwelle herum, in der Pension werden sie unter der Armutsgrenze fallen. Die Arbeitsdienste sind oft über den Tag verteilt, die Ruhezeiten zwischen den Diensten wird ständig gedrückt. Arbeit auf Anruf ist wegen der engen Personalpläne in vielen Einrichtungen die Norm. Daher: die erhobenen Forderungen sind gerecht, und es gilt mit Nachdruck für die Durchsetzung dieser Forderungen aktiv zu werden. Argumentiere unter deinen Kolleginnen, mobilisiere für die kommenden Protestmaßnahmen, und mach dich stark für den Streik.

(Funke Nr. 170/Februar 2019)




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