Bericht von einer Betriebsversammlung in einem Sozialverein von einem, der dabei war.


Unsere letzte Betriebsversammlung stand ganz im Zeichen des Kampfes für einen einheitlichen und starken Kollektivvertrag für die SWÖ (Sozialwirtschaft Österreich). Der Betriebsrat berichtete über die Verwendung des Betriebsratsfonds und einige administrative Punkte. Dann wurde über die laufenden KV-Verhandlungen gesprochen. Die Gewerkschaft geht dieses Jahr mit denselben Forderungen in die Auseinandersetzung wie letztes Jahr: Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Dazu kommen Forderungen nach einer 6. Urlaubswoche für alle und bezahlte Praktika während der Ausbildung. Weiters wird eine kräftige Lohnsteigerung von mindestens 6% (150€ für die untersten Gehälter) gefordert.

Das sind gute Forderungen, das finden alle meine KollegInnen. Aber die werden nicht von alleine in Erfüllung gehen. Die Arbeitgeber werden das nicht aus reiner Nächstenliebe herausrücken, und die Fördergeber werden nicht aus Einsicht und Vernunft das dafür nötige Geld zur Verfügung stellen. Es werden also harte Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern auf der einen und der Gewerkschaft auf der anderen Seite werden.
Die Gewerkschaftsfunktionäre alleine können zwar gut argumentieren, warum die Forderungen notwendig sind, aber können sie sie auch für uns durchsetzen? Letztes Jahr ging es auch schon um die Arbeitszeitverkürzung. Es gab lange Verhandlungen, Kundgebungen, Demos und sogar Streiks. Die Stimmung war kämpferisch, die KollegInnen haben daran geglaubt, dass es diesmal funktioniert. Aber die Gewerkschaft hat die Verhandlungen beendet und einen KV abgeschlossen, ohne die eigenen Forderungen durchgebracht zu haben. Die KollegInnen waren zurecht enttäuscht.

Die Gewerkschaft hat ihr Vorgehen damit entschuldigt, dass sie zu wenig Unterstützung und Druck von den BetriebsrätInnen und den Belegschaften bekommen hat. Diese Ausrede wollen wir ihnen diesmal nicht gelten lassen. Wir wollen dieses Jahr laut und kämpferisch auftreten und für unsere Forderungen kämpfen, bis die Arbeitgeber nachgeben. Es geht nämlich nicht anders. Es muss sich im Sozialbereich endlich etwas tun. Deshalb haben wir auf unserer BV einen Antrag auf Streikbeschluss gestellt. Das heißt, dass im Falle des Scheiterns der Verhandlungen der Gewerkschaft mit den Arbeitgebern, die nur unterbrochene BV fortgesetzt wird und dann demokratisch darüber entschieden wird, ob und wie wir uns an Protestmaßnahmen bis hin zum Streik beteiligen werden. Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden hat für den Streikbeschluss gestimmt. Einige waren verunsichert oder überrascht, weil es das in 20 Jahren in dem Verein noch nie gegeben hat. Aber alles passiert einmal zum ersten Mal. Und wenn wir fest zusammenstehen und Arbeitgebern, Fördergebern und der Öffentlichkeit laut und deutlich zu verstehen geben, dass Soziale Arbeit mehr wert ist, können wir unsere Forderungen auch durchsetzen. Dieses Jahr darf es kein Umfallen geben. Das sind wir unseren KlientInnen schuldig. Denn qualitative Soziale Arbeit kann nur unter qualitativ guten Bedingungen stattfinden.




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Der Funke
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