…wird ein Feuer entfachen!

Mary Harris Jones wurde 1837 in Irland geboren und wanderte in den 1840er Jahren mit ihrer Familie in die USA aus. Sie arbeitete zuerst als Lehrerin in einem Kloster, dann als Schneiderin für meist reiche Familien. Dadurch lernte sie schnell, was die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind. Von Cora Lackner

 
1861 heiratete sie George E. Jones und brachte später vier Kinder zur Welt. Nicht zuletzt durch die Schicksalsschläge in ihrem Leben erfuhr sie, was es konkret bedeutete, zu den Armen und Unterdrückten zu gehören. Sie verlor in der Gelbfieberepidemie 1867 in Memphis ihren Mann und all ihre Kinder. Während es sich die Reichen leisten konnten, aus der Stadt zu flüchten, konnte ihre Familie nicht einmal eine Krankenschwester bezahlen.

Nach dieser Tragödie zog Jones nach Chicago, um dort ein Schneidergeschäft zu eröffnen. Doch im großen Feuer von 1871 verlor sie ihren Laden und alles, was sie besaß. So wandte sie sich an die Knights of Labor, einen damals bedeutenden Arbeiterverein, und begann darauf hin ihr Leben als Kämpferin für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Später war sie in der Gewerkschaft United Mine Workers tätig, wurde Mitgründerin der Industrial Workers of the World und der Socialist Party of America. Nicht ohne Grund wurde sie als die gefährlichste Frau Amerikas bezeichnet – ihr Enthusiasmus und ihre Aktivität bedrohten die Profitbedürfnisse der herrschenden Klasse.

Wo auch immer eine Streikbewegung im Gang war, sie war vor Ort, um die ArbeiterInnen zu unterstützen, die sie daher Mother Jones nannten. So auch in einem Bergarbeiterstreik in Pennsylvania, wo sie mit den Frauen der Arbeiter, denen sie anordnete, sich mit Besen und Wischmobs zu „bewaffnen“, eine „Armee“ aufstellte, um die Streikbrecher zu verjagen.

Auch der Kinderarbeit schenkte sie ihre Aufmerksamkeit. Mit diversen Reden und Aufrufen an Zeitungen versuchte sie ein Gesetz zu erwirken, das diese verbieten sollte. Sie verhalf vielen Bewegungen zum Sieg und wurde dafür des Öfteren verhaftet. Im Alter von 82 wurde sie zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt, doch nicht zuletzt durch die landesweiten Proteste gegen dieses Urteil wurde sie entlassen.

Bekannt war Mary Jones ebenfalls für ihre einzigartigen Reden, mit denen sie voller Elan viele Menschen motivieren konnte. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge wies sie auf die Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen der arbeitenden Masse hin und zeigte gleichzeitig deren Stärke auf. Dabei hatte sie nie Illusionen in die bürgerliche Demokratie und lehnte daher den Kampf um ein allgemeines Wahlrecht ab. Im Gegensatz zu ihr verstand jedoch ihre Zeitgenossin Rosa Luxemburg, dass man durch diesen Kampf eine Massenbewegung aufbauen konnte, die das Bewusstsein heben würde und so einen.

Bis ins hohe Alter blieb sie politisch aktiv und bewies damit, dass Alter kein Hindernis sein muss. Sie war eine Frau, die nach jedem Rückschlag nur noch entschlossener für die Arbeiterklasse kämpfte, auch wenn sie insbesondere zum Ende ihres Lebens hin eine unklarere Rolle einnahm. Doch das schmälert nicht ihre wichtigen Leistungen. Am 30. November 1930 verstarb sie.

Mary Harris Jones – ein Vorbild für viele RevolutionärInnen – war eine starke Frau und eine unerbittliche Kämpferin.




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