…wird ein Feuer entfachen!

Paule Mink wurde als Adèle Paulina Mekarska am 9. November 1839 in Clermont-Ferrand geboren. Ihr Vater war ein polnischer Offizier, ihre Mutter eine französische Adelige. Die Familie lebte in Paris, wo sie Heimunterricht von PrivatlehrerInnen bekam. Sie war hochgebildet und wurde früh politisch aktiv.

Ab Mitte der 1850er Jahre kämpfte sie gegen die Diktatur von Napoleon III., der sich nach seinem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 zum Kaiser der Franzosen erklärt hatte. Dabei wandte sie sich nicht nur gegen die Unterdrückung durch den Staatsapparat, sondern engagierte sich auch für die Befreiung der Frau. 1866 schloss sie sich der Gesellschaft zur Forderung der Rechte von Frauen an. Sie führte öffentliche Bildungsprogramme durch, um Frauen für den Kampf um Arbeitsrechte und politische Rechte auszubilden und zu stärken. Dabei nahm sie das Pseudonym „Paule Mink“ an, unter dem sie auftrat, publizierte und so in die Geschichte einging. In ihren Reden und Schriften über Frauenbefreiung und Sozialismus betonte sie stets, dass die endgültige Befreiung der Frau nur durch die Abschaffung des Kapitalismus erreicht werden kann. Das unterstrich sie damit, dass Arbeiterinnen neben der Ausbeutung durch Lohnarbeit oft Opfer von sexuellem Missbrauch und Diskriminierung werden sowie unter der Doppelbelastung von Lohn- und Hausarbeit leiden. Hinzu kommt – wie sie erläuterte – bei vielen noch der ökonomische Zwang, sich prostituieren zu müssen, wenn man keinen Arbeitsplatz findet, um die Lebenshaltungs- und Wohnkosten decken zu können. Diese Erkenntnisse verbreitete sie in der Arbeiterklasse, indem sie eine Gesellschaft gründete, in denen sie ArbeiterInnen sozialistische Theorien über Arbeit, Ehe, Scheidung und Mutterschaft näherbrachte.

Auch In der Pariser Commune – der revolutionären Pariser Stadtregierung vom 18. März 1871 bis 28. Mai 1871 – war Paule Mink – Mitglied der Ersten Internationale und begeisterte Leserin der Schriften von Karl Marx – äußerst aktiv. Sie gründete dort einen Arbeiterverein, ein Erste-Hilfe-Zentrum, eine Schule für Kinder aus armen Familien und unterstützte die revolutionären Massen, wo immer es auch nötig war. Nach der Niederschlagung der Commune durch preußische und französische Truppen floh sie in die Schweiz und half dort anderen geflüchteten RevolutionärInnen. Durch eine Amnestie konnte sie 1880 nach Frankreich zurückkehren. Im selben Jahr wurde sie zu einem der Gründungsmitglieder der Französischen Arbeiterpartei (POF), die von den Marxisten Jules Guesde und Paul Lafargue – einem Schwiegersohn von Marx – angeführt wurde.

Mit ihrer konsequenten Verbindung des Sozialismus mit der Befreiung der Frau kam sie dort mit einigen Genossen in Konflikt. Auch in der Frauenbewegung scheute sie im Kampf um die richtige politische Position keine Auseinandersetzung. So kritisierte sie scharf die Suffragetten. Zwar unterstützte sie deren Kampf für das allgemeine Frauenwahlrecht, warnte jedoch vor der Illusion, dass mit dem Erreichen von diesem die Frauenbefreiung erlangt sei. Sie argumentierte, dass einerseits aufgrund des sozialen Drucks durch Kirche, männliche Verwandte oder Ehemänner viele Frauen nicht frei wählen können und andererseits Ausbeutung und Unterdrückung der Frau am Arbeitsplatz und im Haushalt nur mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Hausarbeit überwunden werden können. Diese Positionen verteidigte sie in zahlreichen Debatten und Versammlungen bis zu ihrem Tod am 28. April 1901. Von Mario Wassilikos




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