…wird ein Feuer entfachen!

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) standardisiert „Werte“, d.h. Klischees, die Neue ÖsterreicherInnen (MigrantenInnen und Flüchtlinge) lernen müssen, um in Österreich bleiben zu dürfen. Finanziell profitiert davon ein ÖVP-nahes Institut.

Durch das Integrationsgesetz, das die Absolvierung derartiger Kurse zwingend vorschreibt, wird dieses Institut weiter aufgewertet. Wir beleuchten aus der Sicht einer Deutschlehrenden wie Beschäftigte behandelt werden und wie es Profit macht.

Wie in einigen Unternehmen der Branche üblich, wird das Unternehmen mit Hilfe von Repression und geheuchelter Harmonie gegenüber der Belegschaft verwaltet. Das Interview mit einer gekündigten Kollegin führte Markus Haunschmid.

Funke: Wie ist das Klima in der Firma?

Ich wurde schon im ersten Jahr von KollegInnen gemobbt. Als wir 2012 angestellt werden mussten, wurde ich auch bei Gehaltsverhandlungen von der damaligen Teamleiterin eingeschüchtert. Sie behauptete, ich würde ein Gehalt verlangen, das ihrem Gehalt entspräche oder darüber läge, obwohl ich später herausfand, dass einzelne Kollegen (nur Männer!) hunderte Euros mehr als ich verdienten. Obwohl ich einschlägige Erfahrung (auch Auslandserfahrung) hatte, zweifelte man meine Kompetenz an. Mein Chef, der Teamleiter, der die frühere Teamleiterin ablöste, rief immer wieder Beschäftigte wegen Kleinigkeiten zu sich ins Büro. Nur nicht auffallen war also die Devise. Diese Gespräche waren einschüchternd und alle hatten Angst vor diesen persönlichen Gesprächen, er war gefürchtet. Ich hatte bereits einmal Mobbing gemeldet. Die vom Unternehmen bestimmte Sicherheitsvertrauensperson (SVP), die auch während meiner Kündigung anwesend war, schien für eine Mediation aber nicht geeignet zu sein und bedauerte nur, dass die Person, die das Mobbing offenbar ausgelöst hatte, nicht zu einem Gespräch bereit war. Ich hatte den Eindruck, dass die SVP mir gegenüber voreingenommen war und vielleicht schon von anderer Seite Informationen über mich erhalten hatte, die eventuell nicht den Fakten entsprechen und auch im Zuge der Kündigung hatte ich den Eindruck, dass er eher auf der Seite des Arbeitgebers steht. Allerdings hatte er auch nicht die Kompetenzen eines Betriebsrats, was er entschuldigend vorbrachte.

Ständig waren unbezahlte Überstunden zu leisten, da die Vor- und Nachbereitungszeit (VN) einfach nicht reichte und auch die Kursverwaltung und Korrespondenz mit dem Sekretariat oft viel Zeit in Anspruch nahm. Der Chef sagte, andere Institute würden noch schlechter bezahlen oder noch weniger VN-Zeit bieten. Ich wollte eigentlich gegenüber meinem Chef anmerken, dass es früher auch Sklavenhalter gab, die ihre Sklaven besser behandelten als andere. Trotzdem ist der Hinweis auf andere Institute keine Rechtfertigung für schlechte Arbeitsbedingungen.

Nach Krankenständen wurde ich zu einem bedrohlichen Gespräch vorgeladen und auch andere KollegInnen mussten sich deshalb rechtfertigen. Auch wegen anderen Dingen, wie ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Arbeit, wurde ich eingeschüchtert. Es wird versucht, Deutschlehrende durch Ehrenamtliche zu ersetzen. An meinen zwei freien Nachmittagen fand dort Unterricht mit „Freiwilligen“ („Treffpunkt Deutsch“) statt. Wir TrainerInnen fragten nach, wohin das eingesparte Geld fließen würde, worauf die Teamleitung ausweichend bzw. aggressiv reagierte.

Funke: Wie war die Bezahlung?

Ich leiste angeblich tolle Arbeit und habe laut dem letzten Mitarbeitergespräch gute Bewertungen. Aber Lohnfragen werden prinzipiell nicht diskutiert, besonders wenn es um ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen geht, weil das angeblich unter den Datenschutz fällt. Das Gehalt wurde vor (mind. 5) Jahren eingefroren, obwohl Millionen für den Integrationsbereich ausgeschüttet werden. Zusatzausbildungen und Vordienstzeiten werden nicht honoriert, gleichzeitig ist das Arbeitsklima schlecht.

Funke: Ist das ÖVP Naheverhältnis im Betrieb spürbar?

Ich vermute, meine Vorgesetzten wissen über meine politische Einstellung Bescheid. Ein Mitarbeiter aus einem anderen Bundesland wollte mich einmal dazu überreden, zu einer ÖVP Veranstaltung mitzukommen. Beim ÖIF könne man angeblich nichts werden, wenn man kein Mitglied der ÖVP sei. Er sei damals zum Wirtschaftsbund gegangen, so sei Karriere möglich. Ab dem nächsten Tag, nachdem er sich mit dem Chef getroffen hatte, wechselte er kaum mehr ein Wort mit mir. Ich kann nur Vermutungen anstellen.

Funke: Was hältst du von den Wertediskussionen, die unter Deutschlehrenden ein wichtiges Thema sind?

Bis auf wenige Ausnahmen stehen die meisten Deutschlehrenden dieser Art der Wertevermittlung skeptisch gegenüber. Viele wissen aber auch nicht genau, mit welchen Aufgaben KursteilnehmerInnen konfrontiert werden. Die Inhalte sind nur teilweise bekannt.

Meiner Meinung nach werden viele Werte, die als wichtig bezeichnet werden, so nicht gelebt und umgesetzt. Auch viele ÖsterreicherInnen kümmern sich z.B. kaum um Mülltrennung, was in den Lehrmaterialien prominent behandelt wird, aber die KollegInnen, die den ÖIF nach außen vertreten und diese Werteliste erstellt haben, sind nicht kritikfähig. Fakten werden nicht gehört. Es entsteht ein Bild von „den ÖsterreicherInnen“, das nicht haltbar ist. Und die Wertediskussion findet nicht auf Augenhöhe statt.

Funke: Wie verlief deine Kündigung?

Ich wurde zu einem Gespräch mit der Teamleiterin, ihrer Stellvertreterin und dem ehemaligen Teamleiter, der jetzt Bereichsleiter der Integrationszentren ist, zitiert. Es gebe eine Umstrukturierung und ich müsse daher ins Team Werte und Orientierung wechseln. Ich wurde insofern belogen, als man mir sagte, die Änderung sei „vertragskonform“ und mir verschwieg, dass es sich um eine wesentliche Verschlechterung und eine Vertragsänderung handelte, da ich uneingeschränkt in Österreich reisen sollte, samt Reisetätigkeiten am Wochenende. Obwohl die Stelle als Vollzeitstelle ausgeschrieben war und ich schon öfter um Stundenaufstockung ersucht hatte, sollte ich weiterhin in Teilzeit arbeiten. Bzgl. Gehalt oder Stunden wurde ich vorerst im Unklaren gelassen. Hätte ich die Vertragsänderung unterschrieben, hätte ich praktisch keine Kontrolle über meine Freizeit gehabt, Gleitzeit wäre im Sinne des Arbeitgebers, d.h. ich wäre eingesetzt worden, wie und wann das Unternehmen will.

Ich zeigte mich arbeitswillig und fragte, ob sie mir nicht noch eine Position mit festen Arbeitszeiten anbieten könnten. Ich wurde aber mit Unwahrheiten abgespeist und gekündigt. Strategisch schlau war es, durch das Anbieten eines anderen Vertrages eine „Änderungskündigung“ zu erwirken, gegen die man laut GPA-Rechtsberatung gerichtlich schwerer vorgehen könne. Auch für eine Klage wegen verpönten Motiven reichte es nicht, da ich keine rezente Korrespondenz bezüglich meiner Beschwerden über ungleiche Bezahlung und Wunsch nach einer Gehaltserhöhung nachweisen konnte.

Als Deutschlehrende habe ich aber bereits wieder einen Job in der Branche in Aussicht.




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