…wird ein Feuer entfachen!

Jenny Marx (geborene von Westphalen) wurde 1814 in eine preußische Adelsfamilie geboren. Schon in jungen Jahren zeigte sie Sympathie für die frühe Frauenrechtsbewegung, stellte sich gegen den sozialen Druck, der von einer Adeligen verlangte, möglichst früh einen erfolgreichen, standesgemäßen Mann zu heiraten, und studierte Schriften der französischen Frühsozialisten.

Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Vater Ludwig von Westphalen, der, obwohl preußischer Regierungsrat, vom französischen Sozialismus und Liberalismus fasziniert war. Über ihn lernte sie auch Karl Marx, den Sohn seines Freundes Heinrich Marx, kennen.

1843 heirateten Karl und Jenny. Damit widersetzte sie sich allen gesellschaftlichen Normen, an denen eine Aristokratin gemessen wurde. Marx war nicht nur ein radikaler Gegner der herrschenden Verhältnisse mit jüdischen Wurzeln, seine Familie war auch noch ärmer als die von Jenny. Obendrein war er jünger als sie (bei der Hochzeit war er 25 und sie 29 Jahre alt). Die Väter der beiden unterstützten jedoch die Heirat.

Nach der Hochzeit zogen sie nach Paris, wo die beiden aktiv an den damaligen politischen Debatten teilnahmen. 1844 lernten sie dort Friedrich Engels kennen, der ein lebenslanger Mitstreiter, Freund und finanzieller Unterstützer wurde.

1845 wurde die Familie Marx aus Paris ausgewiesen, sodass Jenny alle Möbel verkaufen musste, um Geld für die Flucht nach Brüssel zu haben. Dort trug sie dann wesentlich zur Entstehung des Manifests der Kommunistischen Partei und der Schrift „Die deutsche Ideologie“ bei. Sie las Korrektur, schrieb Marx‘ oft unleserliche Manuskripte ab und hatte als Diskussionspartnerin großen Einfluss auf den Inhalt seiner Werke. Als Marx und Engels in Manchester waren, schrieb sie in einem Brief an Marx von der Notlage der Frauen und kritisierte, dass es selbst in revolutionären Kreisen keine Gleichstellung von Mann und Frau gab – sie war wie die beiden ein Mitglied des Bunds der Kommunisten, hielt Reden und war politisch aktiv.

1848 unterstützten Karl und Jenny die revolutionären Erhebungen. Nachdem sie deshalb aus Belgien ausgewiesen worden waren, flohen sie über Paris nach London. Unter bitterer Armut und größten Entbehrungen (nur vier der sieben Kinder erreichten das Erwachsenenalter) führten die beiden dort ihren Kampf für die Durchdringung der frühen Arbeiterbewegung mit den Ideen des wissenschaftlichen Sozialismus fort. In London war sie wesentlich an der Abfassung von „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ (1859 erschienen) und dem ersten Band des Kapitals (1867 erschienen) beteiligt. Als Jenny und Karl dann 1871 die Pariser Kommune unterstützten, wies Jenny wiederholt auf die Wichtigkeit von Frauen in revolutionären Bewegungen hin.

1881 verstarb die engagierte Revolutionärin der jungen Arbeiterbewegung und Mitstreiterin von Karl Marx. Friedrich Engels sagte treffend über sie in seiner Grabrede: „Was eine solche Frau, mit so scharfem, kritischem Verstande, mit solch politischem Takt, mit solcher Energie und Leidenschaft des Charakters, mit solcher Hingabe für ihre Kampfgenossen, in der Bewegung während fast vierzig Jahren geleistet, das hat sich nicht an die Öffentlichkeit vorgedrängt, das steht nicht in den Annalen der zeitgenössischen Presse verzeichnet. Das muß man selbst miterlebt haben […] so werden wir […] noch oft genug ihren kühnen und klugen Rat vermissen – kühn ohne Prahlerei, klug, ohne der Ehre je etwas zu vergeben.“

von Daniel Ghanimi




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