…wird ein Feuer entfachen!

Ein Kommentar zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen von Elka Xharo.

Gewalt an Frauen ist weltweit ein riesiges Problem. Vergangenes Jahr erschütterte der Tod einer 23-jährigen Inderin, die an den Folgen einer brutalen Gruppenvergewaltigung starb, die Weltöffentlichkeit. Die junge Studentin wurde in einem Bus in Neu-Delhi von fünf Männern misshandelt und anschließend aus dem Bus geworfen. Zwei Wochen später verstarb sie an den schweren Verletzungen. Als Reaktion auf diesen Gewaltakt, der nur die Spitze des Eisbergs darstellt, formierten sich in Indien heftige Proteste. Studentinnen, Arbeiterinnen aber auch zahlreiche Männer demonstrierten trotz Demonstrationsverbot gegen Gewalt an Frauen und für eine bessere Stellung von Frauen in der Gesellschaft.

Jede dritte Frau wird in ihrem Leben einmal vergewaltigt, geschlagen oder auf andere Weise misshandelt (UNIFEM). Häusliche Gewalt ist außerdem gemäß einer vom Europarat zitierten Statistik die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren. Schnell wird klar, dass der gefährlichste Ort für Frauen nicht die dunkle Gasse, sondern die eigenen vier Wände sind. Und auch in Österreich wird jede 5. in einer Beziehung lebende Frau von ihrem Lebensgefährten misshandelt. Das wahre Ausmaß von Gewalt an Frauen ist sehr schwer zu fassen, da die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist als die offiziell registrierten Delikte.

Die Forderung nach höheren Strafen bei Vergewaltigungen für sich allein genommen, greift viel zu kurz.

Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem, welches wesentlich mit der ökonomischen Ungleichheit und der Stellung der Frau in der Familie und der Gesellschaft zusammenhängt. Mehr als 63% der Frauen, die 2011 in Wiener Frauenhäuser flüchten mussten, waren nicht erwerbstätig (Tätigkeitsbericht 2011). Sie sind finanziell von ihren Männern abhängig und somit in einer klar schwächeren Position innerhalb der Familie. In einer Situation von Abhängigkeit können Isolation, Erniedrigung und psychische Gewalt entstehen, die nicht selten in physische Gewalt münden. Es ist jedoch wesentlich, sexistische Gewalt nicht als individuelles Problem zu sehen, sondern als einen von vielen Aspekten der Frauenunterdrückung im Kapitalismus zu erfassen. Die Ungleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft spiegelt sich klarerweise auch in der elementarsten Untereinheit des Kapitalismus, der Kleinfamilie, wider. 
Obwohl berufstätige Frauen schon zur Normalität gehören, sind sie noch immer viel stärker von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Typische Frauenberufe sind im Allgemeinen schlechter bezahlt, gewerkschaftlich kaum organisiert und gesellschaftlich weniger angesehen. Frauen machen 86% der Teilzeitkräfte und 70% der geringfügig Beschäftigten aus (Statistik Austria). Und trotzdem haben Frauen in Österreich eine höhere Arbeitsbelastung als Männer. Im Schnitt arbeiten sie 45,2h/Woche, wovon fast zwei Drittel auf Haushalt und Kinderbetreuung entfallen und somit unbezahlt sind. Bei Österreichs Männern beträgt die Gesamtbelastung im Schnitt nur 35,1h, wovon nur ein Fünftel unbezahlte Reproduktionsarbeit ist. Zwar gibt es bei sehr jungen Paaren eine Tendenz zur gemeinsamen Aufteilung der Hausarbeit, aber insgesamt geben noch 56,6% der Paare an, dass überwiegend die Frau für den Haushalt zuständig ist. Der Prozentsatz der Paare, wo überwiegend der Mann den Haushalt führt, liegt lediglich bei 1,3% (Statistik Austria 2002).

Es ist unschwer zu erkennen, dass die klassischen Geschlechterrollen, Frau als Hausfrau und Mutter-Mann als Familienernährer und Oberhaupt der Familie, noch lange nicht der Vergangenheit angehören. Diese Geschlechterrollen sind es auch, die zu Machtverhältnissen und Besitzansprüchen führen. Gewalt gegen Frauen hat nichts mit unkontrollierbaren Trieben oder zu kurzen Röcken zu tun, sondern ist lediglich ein Ausdruck von Machtausübung und Aggression. Um diese Machtverhältnisse und somit Gewalt gegen Frauen zu stoppen, ist es notwendig immer und überall gegen Frauenunterdrückung aufzutreten, sei es auf der Straße oder im politischen Kampf.




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